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Die Unverwechselbaren: Dean Martin:Swingen und Wanken

Denn keine Biografie kommt ohne Verweis auf einen Erfolgsfaktor aus: Seine ständige Angetrunkenheit, Ting-A-Ling. Vita Bella. Er pfiff auf Political Correctness, und übernahm den ständigen Suff als Stilform von erfolgreichen Bühnentieren wie W.C.Fields (der wiederum einmal gesagt haben soll, er trinke vor dem Frühstück nichts Härteres als Gin).

Der angetrunkene Crooner, das ist Dean-Martin-Domäne, in "When You're Drinking" schuf er sogar die passende Hymne. Die Augen blitzten, der Gang wurde weich wie die Stimme - und das Abbrechen mitten im Lied gehörte zum Programm. Sollten doch die Leute die Alben kaufen, wenn sie ganze Stücke wollten.

Selbst eine Biografie mit einem Titel wie "Martini Man" beeilt sich aber, nicht von Alkoholismus zu sprechen, sondern auch von der Masche dahinter. Die eine Seite: Zum Mittagessen soll es oft Spiegeleier und Martinis gegeben haben, und mit dem "Rat Pack" abends stets zu viel Bourbon. Aber genau so wahr ist: Dean Martin hatte oft Apelsaft im Glas, wenn er sich auf die Bühne holen ließ mit den Worten "Straight from the Bar. Dean Martin." "Wäre ich, wo ich bin, wenn ich Alholiker wäre?", fragte er in einem späten Interview an der Kamera vorbei

Im Nichtstun der Größte

Dass diese Bühnenpersönlichkeit überhaupt funktionieren konnte, lag auch am Rausch ohne schlimmere Ausfälle: Auch ein torkelnder Dean Martin blieb der Gentleman. Daran konnte man sich orientieren und er verdiente damit Moneten ohne Ende.

In den Achtzigern dann wurde aus Dino langsam ein Show-Saurier, das Eis schmolz im Glas, er wirkte wie erstarrt dabei. War die Arroganz schon immer so ausgeprägt? Dean Martin langweilte sich, er hatte alles erreicht und mehr als Spaß wollte er nie.

Dass er sich leise verabschiedete, passt zu ihm. Wozu der Aufwand eines großen Abgangs? Essen im Lieblingsrestaurant, golfen, Scotch and Soda - es war einfacher. "Im Nichtstun", sagte seine zweite Frau, "ist Dean der Größte". 1995 kam der Tod.

Jetztzeit: Ohne ihn gebe es keine Ocean's Eleven - ohne ihn wäre George Clooney (die verlebten Augen in Venedig!) nicht möglich. Aber trotz aller Ableger bleibt Dean Martin auch heute noch eine Ausnahme. Der "amerikanische Buddha", wie ihn sein Biograf Nick Tosche nannte, ein Typ, der sich entspannte und sich nicht um Erfolg scherte, der keine zu süßen Cocktails trank, er fehlt. Nur im Himmel macht es Ting-A-Ling.

Die Dean-Martin-Ausstattung: Das Highball-Glas lässig in der Hand, ein anderes langes Cocktail-Glas am Tisch. Das kann (Glasmanufakturen wie Poschinger oder venezianische Firmen bieten ein Glas für 30 Euro und mehr), muss aber nicht teuer sein. Viel wichtiger: der richtige Drink, die richtige Aufmachung. Keine aufwändige Dekoration, wenige Zutaten, nicht viel Säure, nicht viel Süße. Drinks wie Manhattan oder Martini, oder Bourbon mit Soda, wie Dean Martin ihn bevorzugte, sind zu Unrecht aus der Mode geraten. Und nicht vergessen: zwischendurch Apfelsaft.