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Die Probleme von Patchwork-Familien:Kampf um Liebe und Macht

Doch diese Bindung schafft natürlich auch eine Art Versicherung, einen Anker, vor allem für die Kinder, dass da hoffentlich immer jemand da sein wird, zu dem man sich flüchten kann.

Trends der Nullerjahre

Auch das geht vorüber

Aber bei Patchwork-Familien enthüllt oft schon die Terminologie, die man in den Familien- und Beziehungsberatern findet, worum es geht: um Macht und um Liebe und um den Kampf darum. Manchmal geht es fast schon um Krieg. Um Minenfelder und Konfliktpotential. Um Verhandlungen und Rückzug und Grenzüberschreitungen. Um Eindringen und Überrollen und Waffenstillstand. Jeden Tag wieder und besonders an den Tagen, an denen man noch enger zusammenrücken soll, an denen Liebe eingefordert wird als Feiertagsaufgabe. Und viele neu zusammengewürfelte Familien überleben diesen Kampf nicht.

Inzwischen werden 50 Prozent aller in Deutschland geschlossenen Ehen innerhalb von sieben Jahren wieder geschieden, 200.000 Paare trennen sich jedes Jahr, und dabei werden nur die verheirateten Paare gezählt. Mehr als die Hälfte aller geschiedenen Mütter und Väter hat schon nach einem Jahr wieder einen neuen Partner. Es gibt allerdings keine genauen Zahlen, wie viele Kinder zumindest zeitweise in solchen Patchworkfamilien leben, das Statistische Bundesamt zählt in der Ehe nur die leiblichen Kinder. Nach Schätzungen erleben drei von zehn Kindern bis zu ihrem 18. Lebensjahr mindestens eine Patchwork-Konstellation.

Jan wollte es zuerst nicht an die große Glocke hängen. Er hat schlechte Erfahrungen gemacht. Aber dann erzählt er es Katrin doch, an ihrem ersten Abend, beim ersten Date - dass er zwei Kinder hat, und dass sie hauptsächlich bei ihm leben. Katrin findet Jan nett, er gefällt ihr, sie haben ähnliche Ansichten, es funkt.

Im Patchwork ist wenigstens einer schon einmal gescheitert

Katrin hatte zwar einmal ganz andere Träume, so wie die meisten Menschen. Dass sie irgendwann den Menschen treffen würde, der zu ihr passt. Den sie heiraten, mit dem sie Kinder haben und großziehen würde. Mit dem zusammen sie alt werden wollte. Es ist der uralte Traum von der eigenen Familie, ein reiner und unschuldiger Traum, der so tief im Menschen festgeschrieben ist, dass ihn auch gesellschaftliche Umbrüche nicht löschen können. Er ist ein Teil jener Phantasie, dass der Mensch sein ganzes Leben auf einem leeren Blatt Papier beginnen könne.

Die Realität von Patchwork ist das Gegenteil davon. Sie ist nicht neu und unschuldig, man kann sie nur noch bedingt selbst gestalten. Da soll eine neue Familie auf den Ruinen einer oder mehrerer vorangegangener Familien entstehen. Trümmer sind zurückgeblieben, sie können plötzlich und überraschend ein unvorsichtiges Familienmitglied verletzen. Auch nach Jahren noch. Denn im Patchwork tun sich Menschen zusammen, von denen wenigstens einer schon einmal gescheitert ist. Und das tragen sie mit sich herum.

Katrin hat eine lange Beziehung hinter sich, in der sie Kinder wollte, ihr Partner aber nicht. Das war dann auch einer der Gründe für die Trennung. Sie weiß also nur zu gut, dass der Traum so einfach nicht funktioniert. Aber weiß sie wirklich in diesen ersten Monaten mit Jan, was da auf sie zukommt? Beide verhalten sich vorbildlich, sie lassen den Kindern Zeit. Erst nach einem Jahr zieht Katrin zu Jan in das kleine Haus am Stadtrand von Düsseldorf ein. Da sind Jans Töchter fünf und neun Jahre alt.

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