Selbsternannte Ministerin Mit Glück die Wirtschaft voran bringen?

Dass die Thailänder überhaupt hier sind, hat Schöler der deutschen Botschaft in Bangkok zu verdanken. Die sollte den Thailändern einen Termin zum Thema Glück in Deutschland vermitteln. Die Botschaft hat ein paar Vorschläge gemacht und die Besucher fanden das Glücksministerium wohl das interessanteste: eine junge Frau, die über Glück redet und sich als Ministerin ausgibt, das war irgendwie spannend und skurril zugleich.

Nun ist eine etwas unangenehme Eigenschaft des Glückes, dass immer die anderen es zu haben scheinen, man selbst aber nicht: Die Thailänder sind voller Bewunderung für den deutschen Wohlstand, das Sozialsystem und den strengen Umweltschutz, so haben sie es Schöler vorher geschrieben. Aber Gina Schöler redet eigentlich lieber über die kleine asiatische Bergmonarchie Bhutan als über Deutschland.

Besonders deutlich wird der Graben zwischen Schöler und ihrem Publikum, als einer der Thailänder, ein kleiner Mann, mit einem zu groß sitzenden Anzug und ersten grauen Haaren an den Schläfen, aufsteht und nachfragt, wie man denn nun mit Glück die Wirtschaft voran bringen könne. Da weiß Schöler kurz nicht, was sie sagen soll, weil das ja eigentlich genau ihr Punkt ist: Wir scheren uns zu viel ums Wirtschaftswachstum und zu wenig ums Glück.

Beseelt durch Bärchen

Die Thailänder scheinen darin nur partout keinen Widerspruch entdecken zu können. Wirtschaftswachstum? Ist doch super. Macht doch glücklich. Und schon ist man wieder bei dem ewigen Problem mit dem Glück, dass jeder etwas anderes darunter versteht. Wer bei Amazon nach Büchern zu dem Thema sucht, bekommt fast 30.000 Vorschläge, Bücher von Hirschhausen, dem Dalai Lama und Seneca. Von Meditation bis Whiskey on the Rocks findet man da jedes erdenkliche Glücksrezept und doch keine wirkliche Antwort. Und genauso ist es hier auch.

Wobei das so ganz nicht stimmt. Gegen Ende des Vortrags, da finden die Thailändern dann doch noch das Glück, nur nicht dort, wo sie gesucht haben. In einem "Happiness-First-Aid-Kit", das Schöler zu Demonstrationszwecken rumreicht, entdecken sie eine große Tüte Gummibärchen. In kürzester Zeit wird die Tüte geleert, überall knistert es. Alles Gerede ist Nebensache, als Farbstoff, Zucker und Gelatine ins Spiel kommen. Glückliches Schmatzen allenthalben.

Danach wachen die Gäste endlich aus ihrem Dämmerschlaf auf und sind auf einmal so beschwingt, dass sie spontan noch ihre eigene Idee vom Glück darbieten wollen. Drei Männer aus der Gruppe werden nach vorne gebeten, zwei dicke und ein dünner. Dann setzen sich die drei zusammen auf einen Stuhl. Der Dünne wird dabei zwischen den beiden Dicken eingequetscht. Großes Gekicher. Die Männer sollen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft darstellen, so viel wird klar. Was das mit dem Glück zu tun hat? Weniger, aber die Thailänder haben mächtig Spaß.

Was also bleibt als Fazit? Vielleicht dieses hier: Niemand besitzt das Glück, alle suchen es - und wenn man es findet, dann wahrscheinlich in einer Tüte Gummibärchen und nicht in großen Reden.

Glücksforschung Was uns glücklich macht

Lebenszufriedenheit

Was uns glücklich macht

Geld allein macht auf Dauer nicht glücklich, Bildung schon. Und Kinder? Durchaus, vor allem, wenn es Enkelkinder sind. Zum Tag des Glücks ein Gespräch mit einem ehemaligen Banker - über Zufriedenheit und was jeder dafür tun kann.   Interview: Violetta Simon