Die Branche im Balmain-Rausch Löchriger Trip für Groupies

Verführerisch, übernächtigt, ein bisschen ordinär: Die Branche ist im Balmain-Rausch - noch keine Jeans war jemals so schnell vergriffen. Jetzt gibt es neuen Stoff in den Läden.

Von Verena Stehle

Im April, so wird gemunkelt, kommt eine neue Ladung Balmain-Jeans in die Läden. Das ist insofern eine Meldung wert, als noch keine Jeans jemals so schnell vergriffen waren - schon gar nicht, wenn sie löchrig und bleichefleckig sind wie die eines Punkerkids; und dazu noch 2165 US-Dollar das Stück kosten.

Noch nie war eine Jeans so schnell ausverkauft wie diese - die Modebranche spricht deshalb schon von einer "Balmania".

(Foto: Foto: Getty)

Dass sie trotzdem prompt ausverkauft waren, nennt man in Mode-Kreisen "Balmania". Längst tragen nicht mehr nur Mutter und Tochter Roitfeld das Label, auch andere ziehen für das teuerste Etikett der Welt (Tanktops 2635 US-Dollar) wie hypnotisierte Äffchen die Kreditkarte. Und wenn man danach das Auto verkaufen muss.

Die Herbstmode, die Anfang des Monats in Paris präsentiert wurde (Michael-Jackson-Blazer, schimpflich enge Minis, Discokleider mit Kaskaden aus Swarovski-Kristallen), veranlasste einen Zuschauer zu der Bemerkung, Balmain sei ein "Crystal Meth"-Traum; mit all dem Geglitzere im Schrank könne doch keiner schlafen.

Die Halluzination, der Trip, von Balmain versprochen, lautet: Aussehen wie das von Rockbands erträumte Groupie; verführerisch, übernächtigt, bisschen ordinär, alle anderen anwesenden Frauen überstrahlend. Gegen Balmain machte Gianni Versace, der einst den Sex in die Mode brachte, Stützunterwäsche.

Alles nur wegen ihm: Seit Christophe Decarnin 2005 bei dem 1945 von Pierre Balmain gegründeten Label einstieg, haben sich die Gewinne verdoppelt. Während andere Häuser derzeit wie nach einer Sprengung in sich zusammenfallen, lancierte Balmain - immer schon maßlos überteuert - im Januar eine Männerlinie und musste Mitarbeiter einstellen.

Decarnin setzte am Ende der Show ein linkisches Lächeln auf. Vielleicht dachte er an Gianni Versace. Der zeigte seine Mode einst genau da, im Pool des Ritz. Aber ihn vermisst jetzt keiner mehr.