Kolumne: Die Altersweisen:Was bereust du in deinem Leben?

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(Foto: IMAGO/Shotshop)

Wie junge und alte Menschen die Welt sehen, erzählen sie in dieser Kolumne. Sarah, 17, will sich weniger vergleichen, Rita, 83, hätte gerne mehr gelernt.

Protokolle von Niko Kappel

Sarah, 17, kommt aus NRW und möchte später soziale Arbeit studieren

(Foto: privat)

"Ich denke, dass alles im Leben aus einem bestimmten Grund passiert. Natürlich bereut man ab und zu mal Sachen. Aber ich bin überzeugt, dass das dann immer so eine Art Test ist. Deshalb ist es nicht unbedingt nur negativ, etwas zu bereuen, weil man daraus lernen kann.

Trotzdem bereue ich, dass ich in den vergangenen Jahren oft zu wenig auf mich selbst geachtet habe. Ich wollte es allen immer recht machen. Meinen Eltern, meinen Freundinnen, fremden Menschen auf Instagram. In meiner Generation ist es ja so, dass man sich sehr schnell mit anderen Menschen vergleicht. Ich merke das vor allem durch Social Media. Ich vergleiche mich mit all diesen ganzen hübschen Influencerinnen. Ich fühle mich immer schlecht, wenn ein Mädchen eine schönere Lippenform oder eine tollere Haarfarbe hat.

Es ist einfach totaler Quatsch, sich mit anderen zu messen. Man sollte immer auf sich selbst achten, auf sein eigenes Leben, jeden Tag genießen und nicht Zeit damit verschwenden, sich mit irgendwem zu vergleichen. Heute versuche ich, zu beherzigen, dass äußerliche Vergleiche unnötig sind. Jeder ist perfekt so wie er ist. Das sagt man so leicht, aber das sollte man immer im Hinterkopf behalten."

Rita, 83, wohnt in Heide in Schleswig-Holstein und filmt gerne mit ihrer Kamera

(Foto: privat)

"Ich wurde 1946 eingeschult. Da war ich sechs Jahre alt. Damals war alles sehr dürftig, wir hatten ja gerade erst den Krieg hinter uns. Die Lehrer waren schlecht ausgebildet, viele von ihnen waren traumatisiert. Darunter litt ich. Von Anfang an kam ich in der Schule schlecht mit. Heute bereue ich, dass ich damals so wenig gelernt habe.

Später habe ich mich berappelt. Mein Vater wollte mich auf die Haushaltsschule schicken, das war für mich wie ein Brechmittel. Ich wollte etwas lernen! Deshalb habe ich mich auf den Hosenboden gesetzt. Obwohl ich so schlecht in der Schule war, habe ich es auf die Handelsschule geschafft. Dann bin ich nach England gegangen als Au-Pair Mädchen. Als ich zurückkam, fing ich beim NDR in der Produktionsabteilung an. Ich bereue schon, dass ich in der Schule nicht besser aufgepasst habe. Dadurch war mein Berufsweg beschwerlicher. Aber am Ende hat ja trotzdem alles funktioniert."

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