Kolumne: Die Altersweisen:Welches Tier wärst du gerne?

Kolumne: Die Altersweisen: König der Lüfte: ein Weißkopfseeadler.

König der Lüfte: ein Weißkopfseeadler.

(Foto: Patrick Pleul/dpa)

Finja, 8, wäre gerne ein Adler, Gudrun, 80, lieber eine Giraffe. Wie junge und alte Menschen die Welt sehen und erleben, erzählen sie in dieser Kolumne.

Protokolle von Niko Kappel

Finja, 8, kommt aus der Nähe von Ingolstadt und spielt Handball.

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(Foto: privat)

"Ich wäre gerne ein Adler, der kann so schön fliegen. Immer wenn ich hochschaue an den Himmel und dort irgendwelche Vögel sehe, dann freut mich das. Vögel sind so frei und so wild. Sie fliegen einfach so rum, wie sie gerade wollen. Das stelle ich mir sehr schön vor. Das würde ich auch sehr gerne können.

Den Adler finde ich so besonders, weil er total lange Flügel und eine richtig große Spannweite hat. Er kann so weit fliegen und hat sehr scharfe Augen. Ich würde einfach mal so hoch fliegen, wie ich könnte. Mir alles von oben anschauen. Und dann würde ich ganz weit weg fliegen. Über das Meer, in ein anderes Land.

Wir waren mal auf der Rosenburg im bayerischen Altmühltal bei einer Vogelschau. Da sind die Adler nicht mal einen halben Meter über meinen Kopf drübergeflogen. Dann haben die so Sachen gefangen und es war richtig cool, da konnte man einfach die Tiere angucken, und da gab's dann auch noch so ein Museum, da sah man die verschiedenen Federn von denen und wie groß diese sind. Adler sind einfach toll."

Gudrun, 80, wohnt südlich von Bonn, spielt gerne Klavier.

"Ich wäre gerne eine Giraffe. Sie fasziniert mich, weil sie über den Dingen steht. Dank ihrer Größe hat sie einen ganz anderen Überblick als alles, was sich tief unter ihr am Boden bewegt - für mich auch ein Sinnbild für menschliche Größe. Sie hat als groß gewachsenes Tier keine natürlichen Feinde. Das entspannt enorm und fördert ein ruhiges, überlegtes Verhalten. Futterneid im Vergleich zu manch anderen intelligenten Tieren kennt sie nicht. Und die Giraffe ist das Landtier mit dem größten Herzen.

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(Foto: privat)

Der Erfinder der gewaltfreien Kommunikation, Marshall Rosenberg, wählte deshalb die Giraffensprache als Symbol für gewaltfreie Kommunikation. Sie bedeutet, dass man auf sein Herz hört, freundlich miteinander redet und andere gut versteht. In der Natur verständigen sich Giraffen durch blöken, pfeifen und hüsteln untereinander in einem Infraschallbereich, der so tief ist, dass wir Menschen ihn nicht hören können. Und das sogar über viele Kilometer.

Mich fasziniert diese unaufgeregte und selbstverständliche Souveränität dieser Tiere mit ihrem hoch entwickelten Sozialsystem. Ich finde, dass sie ein Vorbild für uns Menschen sein könnten. Ich wünschte mir auch manchmal diese Gelassenheit und Souveränität. Wenn wir mehr Giraffensprache sprechen würden, hätten wir viele Probleme nicht."

Wollen auch Sie bei den Altersweisen mitmachen? Dann schreiben Sie an diealtersweisen@sz.de

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