Design von Haushaltsgeräten "Klappe auf, Klappe zu - das gibt es nicht mehr!"

sueddeutsche.de: Wieviel Design veträgt ein Küchengerät?

Die Küchenmaschine "Neuzeit I" stammt aus dem Jahr 1952. Mit diesem Bild geworben wurde 1956.

(Foto: Foto: Bosch)

Robert Sachon: Es gibt umweltfreundliche, energiesparende Marken, die bei den Kunden hoch im Kurs stehen. Außerdem spielen beim Kauf Argumente wie Ergonomie, Qualität und leichte Bedienung eine Rolle. Aber diese Themen kann man mit Design sehr gut unterstützen. Noch mehr: Design ist ein wichtiges, wenn nicht entscheidendes Verkaufsargument. Insofern vertragen die Geräte immer mehr Design.

sueddeutsche.de: Wie wichtig ist Design im Vergleich zur Funktionalität?

Robert Sachon: Das kommt auf die Gerätegruppe an. Es gibt klassische Preis-Leistungsgeräte, bei denen Energieverbrauch und Jobverrichtung im Vordergrund stehen. Bei Spülmaschinen ist das zum Beispiel so. Die Designaffinität eines Kunden steigt mit seiner Bereitschaft, mehr oder weniger Geld für ein Gerät auszugeben. Im Premiumsegment ist ohne Design definitiv nicht mehr zu punkten. Da ist Optik eins der Haupt-Kaufkriterien.

sueddeutsche.de: Wie läuft der Arbeitsprozess ab, wenn Sie ein Gerät entwerfen?

Robert Sachon: Es kann sein, dass etwas Neues entwickelt wird und diese technischen Features mittels Design nach außen kommuniziert werden müssen. Das war zum Beispiel bei der aktuellen Spülgeräte-Generation der Fall. Die Entwicklung kann aber auch umgekehrt stattfinden. Früher musste das Design allerdings häufiger zurückstecken. Die technischen Komponenten haben häufig die Optik diktiert. Jetzt sehen wir aber das Gestalterische auch technische Herausforderungen hervorrufen. Das ist sicherlich im Wandel begriffen.

sueddeutsche.de: Sie sind ein kreativer Mensch. Frustiert Sie das nicht, Ihre Ideen in industriell festgeschriebene Bahnen fließen zu lassen?

Robert Sachon: Ich weiß nicht, ob meine Kreativität wirklich eingeschränkt wird. Natürlich gibt es immer wieder harte Kämpfe und Streitpunkte mit der technischen Seite, aber die befruchten auch. In der Auseinandersetzung steckt sehr viel Detailinnovation. Die Verhandlungsparteien haben nicht dieselben Ziele, aber das ist logisch: Ich muss als Designer immer auch eine ästhetische Innovation bringen. Daraus entsteht ein ständiges Ringen um technische Machbarkeit. Es beflügelt aber geradezu, weil man mit anderen Augen durch die Welt geht.

sueddeutsche.de: Was ist - optisch - das beliebteste Haushaltsgerät der letzten Zeit?

Robert Sachon: Unsere Kühlschränke mit Glasfront sind schon mehrfach prämiert worden. Sie kommen gerade in den Verkauf und werden uns tatsächlich unter den Händen weggerissen. Die Tatsache, dass sie sich ins Wohnumfeld integrieren, kommt sehr gut an. Beliebt sind auch die verschiedenen Farben und die Wertigkeit, die die Geräte ausstrahlen. Es gibt aber auch beliebte Stücke wie "side-by-side" -Kühlschränke, die zwei Türen zum öffnen haben und im amerikanischen Raum weit verbreitet sind.

sueddeutsche.de: Was ist der Trend auf dem Markt für Haushaltsgeräte?

Robert Sachon: Das Thema Material ist ein längerfristiger Trend. Hochwertiges Glas oder Edelstahl kommen vermehrt zum Einsatz. Schließlich entstehen daraus Dinge, die auch mal länger als zwei Jahre halten. Optischer Trend ist außerdem die Integration ins Küchenumfeld: Ein Kochfeld wird nicht mehr plastisch aufgebaut wie früher, sondern es wird flächenbündig integriert. Auch die Bedienung entwickelt sich in diese Richtung: Viele unserer Geräte haben "user interfaces". Das heißt wir gehen weg von der klassischen Bedienung über Tasten und Drehwähler hin zum "touch control". Die Kühlschränke etwa verbergen hinter der farbigen Glasfront die ganze Elektronik. Vorhandene Bedienelemente wie Drehwähler werden flächenbündig versenkt. Das hat dann einen besonderen optischen Reiz.

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