Süddeutsche Zeitung

Flaschen als Prestigeobjekt:Das Auge trinkt mit

Nach Parfumflakons und Edelspirituosen haben Flaschenfetischisten einen neuen Liebling: die Colaflasche. Karl Lagerfeld ist aber nicht der erste Modedesigner, der den Softdrink zum Prestigeobjekt erkoren hat.

Vorbei die Zeiten, in denen sich "König Karl" nur mit unbezahlbarer Luxusmode beschäftigt hat. Für die schwedische Modekette H&M kreierte er 2004 eine Damen- und Herrenkollektion, 2008 entwarf er nach eigenem Abbild einen Teddybären für die Traditionsmarke Steiff. Vor kurzem kündigte er sogar an, dass er ab 2011 in einem Onlineshop "günstige Mode anbieten" wolle.

Auch den Getränkemarkt hat der Modezar für sich entdeckt: Für die Champagnermarke Dom Perignon entwickelte Lagerfeld schon häufiger Designs, seit diesem Jahr ziert seine Silhouette sogar Cola-Flaschen - selbstverständlich nur in der Lightversion, die figur- und modebewusste Frauen der kalorienreichen Variante schließlich vorziehen.

Für die Jahresflasche, die nach dem Motto "Coca Cola light in Fashion with..." erscheint, entwarf der deutsche Modedesigner eine Aluminium-"Bottle", wie es in der Pressemitteilung heißt. Zusätzlich zu den Flaschen verkaufen Luxuswarenhäuser seit November 2010 eine auf 2000 Stück limitierte Kühltasche für 40 Euro - immerhin, eine Coke light ist dabei inklusive. Der "Modezar" liegt damit im Trend: Durchgestylte Flaschen begegnen einem überall - nur waren es bisher keine Softdrinks.

Lange waren Parfumflakons im Fokus von Flaschenfetischisten. Wie kleine Kunstwerke waren Chanel, Dior und Givenchy im Regal aufgereiht. Wer es minimalistisch mochte, wählte "Flower by Kenzo", bei dem nur eine einzelne Mohnblume den schlichten, durchsichtigen Flakon ziert. Für Modeliebhaber lieferte John Galliano mit seinem gleichnamigen Parfum und einem Flakon in Form eines drapierten Abendkleids die passende Lösung. Mit dem Klassiker, Chanel № 5, wird jede Kommode aufgewertet.

Nach der Parfum-Manie kamen die Edel-Alkoholika. In Designflaschen abgefüllt und in der Hausbar aufgereiht konnten deren Besitzer damit angeben. Der Liebling, früher wie heute: Die schlicht-eleganten Flaschen von "Absolut Vodka" sind Designobjekte - mit und ohne Sonderedition, wie 2010 "Absolut Glimmer" im Kristalldesign oder 2009 als "Absolut Rock" mit einer Second Skin aus Leder und Nieten.

Cola mit Karl

Exklusiver - oder vor allem teurer - waren Karl Lagerfelds Kooperationen mit Dom Perignon. 2006 entwarf er eine Champagnerflasche, die auf 1998 Stück limitiert war: mit goldenen Nieten und seinem Autogramm, erhältlich für 1500 Euro. Ein Jahr später schuf er für die Luxusmarke Gläser, die Claudia Schiffers Brüsten nachempfunden waren. Mit drei Piccolos inklusive war eine solche Champagnerschale für 3150 Dollar erhältlich. Zuletzt verkaufte das Champagner-Imperium - leider nur in Spanien - neonfarbene Pop-Art-Flaschen, die eine Hommage an Andy Warhol darstellten.

Der italienische Designer Roberto Cavalli verkauft seit 2009 auch Vodka - selbstverständlich in edlen Flaschen und für etwa 60 Euro das Stück. Dean und Dan Caten, Zwillinge und Besitzer des Labels Dsquared2, steckten 2008 den Cuvée Cordon Rouge von Mumm in maßgeschneiderte "Pilotenjacken" - die Flaschen wurden für 280 Euro pro Stück verkauft.

Leider passen Champagner und Vodka einfach nicht ins tägliche Leben. Erst ein neuer Trend bringt den Luxus stilsicheren Trinkens in den Alltag.

Mit dem Versprechen, selbst in Banalem wie dem Wassertrinken das Besondere zu finden, engagiert der Wasserhersteller Evian mit Issey Miyake schon zum vierten Mal einen Gast-Modedesigner für seine Jahresflasche. In den Jahren zuvor verliehen Christian Lacroix, Jean Paul Gaultier und Paul Smith der Wasserflasche ihren Anstrich.

Der italienische Wasserlieferant S. Pellegrino wählte 2010 für eine Sonderedition seiner grünen Flaschen seinen "Landsmann", das Traditionsmodehaus Missoni. Zusätzlich zu den Flaschen mit dem für das typischen Zickzackmuster, die in dem Jahr in der gehobenen Gastronomie verkauft wurden, gab es 200 handeingenähte Flaschen - nur für Insider, versteht sich.

Vorreiter für die Designkooperationen mit - bis jetzt - gewöhnlichen Trinkflaschen war Coca Cola. In Deutschland erschienen im Rahmen des Projekts "Coca Cola light in Fashion with..." bisher vier solche Designflaschen: Karl Lagerfelds Modell mit seiner schwarzen Silhouette und im Jahr davor Ellen von Unwerths Exemplar mit einer stilisierten Fotografie. Zuvor skizzierte Manolo Blahnik Stilettos auf der Sonderedition und Zac Posen verteilte 2008 pinkfarbene Polka Dots auf goldenen Coke lights.

In Europa gab es noch mehr von den begehrten Jahresflaschen: In Frankreich entwarf die Modedesignerin Nathalie Rykiel ein bunt gestreiftes Modell, in Italien waren schon acht Top-Designer am Werk, darunter Roberto Cavalli, Valentino, Marni, Versace und Blumarine. Die gaben sich mal mehr, mal weniger Mühe mit ihren Mustern.

Hauptsache, ein Stückchen high fashion wird greifbar. Für alle.

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