bedeckt München 17°

Der moderne Vater:Papa ist 'ne Weichflöte

Papas gehen nicht auf Dienstreise. Sie sind auf dem Spielplatz zu finden - ob sie wollen oder nicht. Ein Gespräch mit einem Vertreter der neuen Väter-Generation.

Constantin Gillies hat zwei kleine Kinder und arbeitet Teilzeit. In seinem kürzlich erschienenen Buch "Wickelpedia - Alles, was man(n) übers Vaterwerden wissen muss" geißelt der freie Wirtschaftsjournalist die mangelnde Bereitschaft vieler Geschlechtsgenossen, als Vater ihre männliche Würde zu bewahren.

vater mit baby

Der neue Vater will mitmachen. Aber nicht immer und überall.

(Foto: Foto: dpa)

sueddeutsche.de: Männer, die in ihrer Vaterrolle aufgehen, bezeichnen Sie als "Warmduscher" oder "Weichflöten". Warum sind Sie so gemein?

Gillies: (lacht) Ich glaube, dass manche Leute ihrem eigenen Gesinnungsterrorismus erliegen. Selbst bei Nieselregen sind sie auf dem Spielplatz, füllen das Sandförmchen 30, 40 Mal. Wenn die mir nachher sagen: "Das Schönste was es gibt, ist, Zeit mit meinem Kind zu verbringen", denke ich mir: Das glaubt Ihr doch selbst nicht! Vielleicht mangelt es mir ja auch an Phantasie, aber ich finde, hier wäre mehr Realismus angebracht.

sueddeutsche.de: Beschreiben Sie doch mal den Unterschied zwischen dem konventionellen und dem "neuen" Typ Vater.

Gillies: Der "alte" Typ Vater lernte sein Kind vor der Pubertät kaum kennen, weil er den ganzen Tag arbeitete. Früher hatte er, wenn überhaupt, eine Nebenrolle. Inzwischen will er eine Hauptrolle spielen und ein bisschen mehr mitmachen, bei allem.

sueddeutsche.de: Daran ist doch nichts auzusetzen, oder?

Gillies: Ich möchte den Leuten auch nicht sagen, wie sie zu leben haben. Aber dass Frau von der Leyen uns vorschreiben will, wann und wie lange sie beim Kind sind, das ist Schwachsinn.

sueddeutsche.de: Aber die Richtung ist nicht schlecht, oder?

Gillies: Grundsätzlich ist das ein guter Plan, doch entscheidend ist das Timing. Dass der Vater die Zeit zwangsweise im ersten Lebensjahr beim Kind sein muss, halte ich für Quatsch. Das ist genau die Zeit, in der das Kind mit dem Vater überhaupt nichts anfangen kann.

sueddeutsche.de: Reden wir doch mal davon, was die Väter eigentlich wollen.

Gillies: Ich glaube, die Väter sind geprägt von einem diffusen Gefühl. Die Zahl der Väter, die wirklich nur noch Teilzeit arbeiten wollen, ist verschwindend gering, weil sie insgeheim ahnen, dass das eine Menge Arbeit nach sich zieht. Die meisten würden gern im Büro bleiben. Arbeit im Büro ist für uns abgespeichert unter "bezahltem Urlaub". Im Vergleich zu einem Tag daheim mit meinen zwei Kindern ist es Freizeit.

sueddeutsche.de: Was ist Ihrer Meinung nach die größte Angst der Männer in Bezug auf ihre Vaterrolle?

Gillies: Dass sie aufgerieben werden zwischen der Aufgabe als Hauptverdiener und als Bezugsperson. Die Theorie von der Work-Life-Balance funktioniert einfach nicht, und selbst wenn es einem gelingt, bleibt es wahnsinnig anstrengend.

sueddeutsche.de: Haben Väter wirklich so wenig zu lachen mit ihren Kindern?

Gillies: Ganz ehrlich: Erst mit zwei Jahren fing es für mich an, lustig zu werden. Vorher war das richtig harte Arbeit, und die hat zu 95 Prozent des Tages keinen Spaß gemacht. Väter wären besser bedient, wenn sie ihre Kinder im Alter von zwei bis drei Jahren betreuen würden, da hätten alle was davon. Davor interessieren sich die Kleinen nur für Wesen mit Brüsten.

Die 2:1-Regel - Fortsetzung nächste Seite.