Der Entdecker von Daniela Katzenberger Der Miezenmacher

Auf dem Catwalk der Casting-Gesellschaft: TV-Produzent Bernd Schumacher hat die Figur Daniela Katzenberger geschaffen - schon sucht er ihre Nachfolgerinnen.

Von Cornelius Pollmer

Es soll ein Abend wie in Mailand oder Paris werden, und deswegen hat Bernd Schumacher in Leipzig alles aufgefahren, was beim Partyservice zu bekommen war. In der Bar Koslik addieren sich Bühnenplatten zu einem Laufsteg, vor der Tür tanzt der Schnee im Schwenkfeuer einer Lichtkanone. In einem Pagodenzelt führen Menschen Stehtischgespräche. Sie glühen vor, mit Heizpilzen und Wein, und dabei überhören sie fast die sorgenvolle Frage der Frau neben ihnen. Ob sie ihre Tochter kurz sprechen dürfe? Nein, sagt ein Türsteher. Sie dürfe aber später wiederkommen, so gegen zehn: "Ab 22 Uhr ist Party-Situation."

Platinblonde Kordeln auf dem Kopf, die auf gewaltige Brüste aus Silikon fallen: TV-Sternchen Daniela Katzenberger, Vorbild für viele.

(Foto: dapd)

Jetzt ist Casting-Situation. Oder, wie es Bernd Schumacher überraschend fröhlich formuliert: "Wir machen Menschen." Er sucht Mädchen, die er zu Sternchen befördern kann. Wer das möchte, muss sich ein paar Mal umziehen und die verschieden Kleider auf dem Laufsteg präsentieren, vor einer Jury und Kameras. Denn eigentlich macht Schumacher, 50, nur Fernsehen. Er ist Geschäftsführer der 99pro Media GmbH, einer TV-Produktion in Leipzig. Einst war er Studioleiter bei ProSieben, aber das reichte ihm nicht, er wollte sich "austoben und neues Fernsehen finden, erfinden". Er fand eine schöne Chance, als die privaten Sender dazu übergingen, Realität nicht mehr zu zeigen, sondern sie in sogenannten Doku-Soaps zu inszenieren. Die Fernseh-Wirklichkeit fiel in die Hände von Bernd Schumacher, und der knetet sie nun nach Kräften. Er ist der Administrator eines sich selbst erhaltenden Systems. Dessen Logik erklärt sich am besten an Schumachers größter realer Figur, sie sitzt mitten im Koslik.

Daniela Katzenberger trägt schwarze Stöckelschuhe und ein schwarzes Kostüm. Von ihrem Kopf fallen breite platinblonde Kordeln, deren Ausläufer auf gewaltige Brüste gebettet sind: zwei Mal 350 Gramm Silikon. An einer Kette in ihrem Dekolleté flattern vier silberne Schmetterlinge. Man möchte sie warnen, nicht hoch zu den Lippen zu fliegen, die schimmernd im Gesicht stehen, wie ein Überlaufbrunnen aus 400er Lipgloss.

Im April 2009 wurde Katzenberger, 24, Kosmetikerin, durch die Sendung "Auf und davon" so etwas wie bekannt - ein Fernsehteam beobachtete ihren Versuch, sich für den amerikanischen Playboy auszuziehen. Jetzt, im Dezember 2010, liegt sie auf Platz drei der meistgesuchten Personen bei Google Deutschland. Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel hat sie in einer Rede im Bundestag erwähnt, ein Werbepartner Katzenbergers antwortete darauf mit einer ganzseitigen Anzeige in der Bild. Sie hat eine CD aufgenommen, es gibt Kalender und Jogginganzüge unter ihrem Namen, eine weitere Sendung zeigte eine Staffel lang den Aufbau des Café Katzenberger auf Ibiza. Die Eröffnung war dem Kanal Vox eine Sondersendung wert - ein Brennpunkt des Trash-TV, verfolgt von 2,29 Millionen Zuschauern.

Da ploppen Fragezeichen auf, mindestens zwei: Warum ist diese Frau berühmt? Und was fängt Bernd Schumacher mit dieser Berühmtheit an?

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