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Der Deutschen liebstes Obst:Die Bananenrepublik

Die Banane gehört zu unserem Alltag. Trotzdem hat sie kein Prestige und dümpelt zwischen Babybrei und billigem Sattmacher dahin. Über das Elend einer verkannten Frucht.

Die Saison der heimischen Früchte neigt sich mit dem Kürbis dem Ende zu. Nach den ersten heftigen Herbstregengüssen wird eigentlich nichts mehr Nennenswertes geerntet. Nun beginnt die Hochsaison des Imports. Ganz vorne dabei ist die Banane - altmodisch auch Adamsfeige genannt -, die nach dem Apfel der Deutschen liebste Frucht ist.

Bundesdelegiertenversammlung Bündnis 90/Die Grünen

Rund ein Dutzend Kilo Bananen werden in Deutschland pro Kopf im Jahresschnitt verzehrt. Auch Grünen-Chefin Claudia Roth beißt gerne mal in den schnellen Sattmacher (im Bild auf der Bundesdelegiertenversammlung der Partei in Kiel 2004).

(Foto: dpa/dpaweb)

Rund ein Dutzend Kilo werden hierzulande pro Kopf im Jahresschnitt verzehrt. Und wer einmal eine Banane in einem der Anbauländer genossen hat, wird zu Hause nie wieder eine essen wollen. Wer einmal in Ipanema Urlaub gemacht hat, der wird bestätigen: In voll ausgereiftem Zustand besticht die Banane mit voller Fruchtsäure, die den träg-süßen Körper mit einer gewissen Eleganz versieht. In Ipanema könnte man drei Wochen lang nur von Bananen leben.

Je älter und größer die Republik wurde, umso alltäglicher wurde die Exotin für den Hausgebrauch. Die Zierbananenstaude gehört hier mittlerweile zur Grundausstattung eines Wintergartens, neben Palme und Phalaenopsis. Doch obwohl die Banane hier so berühmt ist und reichlich konsumiert wird, besitzt sie kein entsprechendes Prestige.

Ihr Image changiert zwischen Babybrei und billigem Sattmacher, dessen Kilopreis einen Euro nicht übersteigen darf, weil sonst die Kunden einen Bogen um den Supermarkt machen. Wenig förderlich ist ihrem Ansehen wohl auch, dass das Banana Split mit Vanilleeis, Schokosauce und Eisdielenschirmchen völig aus der Mode gekommen ist.

Das ist ungerecht. Nicht nur, weil es längst die verschiedensten Modelle bei uns gibt - von Babybananen über Kochbananen bis hin zur Bilderbuch-Banane im knallgelben Kostüm. Sondern eben auch, weil sie die einzige Frucht ist, die eine überaus ästhetische wie praktische Schutzhülle besitzt, die sich einfach öffnen lässt. Fehlt nur noch der Reißverschluss.

Zugegeben, die meisten von ihnen werden tüchtig mit Pflanzenschutzmitteln traktiert, tiefgrün geerntet und erst unterwegs beziehungsweise im Kühlhaus zur Reife gebracht. Die den Handel dominierende Sorte Cavendish transportiert zwar schon mehr Frische als früher, ist von der Konsistenz aber noch am ehesten mit rohem Kuchenteig zu vergleichen.

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