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Dengue-Fieber:Kampf dem Knochenbrecher

Als die Forscher in Bangkok einen tetravalenten Impfstoff an Freiwilligen testeten, erkrankten manche der Probanden an Dengue 3. Das störte die Produktion von Antikörpern, sodass die Versuchspersonen auch gegen die Varianten 1, 2 und 4 nicht geschützt waren.

Die französische Vorgängerfirma von Sanofi Pasteur übernahm das Vakzin später in Lizenz und versuchte die Komponente 3 genetisch abzuschwächen. Aber vergebens; Sanofi hat daher inzwischen aufgegeben. Nur die Entwickler in Bangkok versuchen noch, das Problem zu lösen.

Forschung an der Chimäre

Die Forscher im Reed-Institut hingegen bekamen die Komponente 3 schließlich in den Griff. Der Pharmakonzern Glaxo-Smith-Kline hat die klinische Entwicklung übernommen und plant eine Phase-II-Studie im kommenden Jahr: An einigen Tausend Probanden einer geimpften und einer Kontrollgruppe soll ein bis zwei Jahre überwacht werden, wie sich die Rate der Infektionen entwickelt.

"Wir wissen einfach nicht, wie viele Antikörper jemand braucht, um geschützt zu sein", sagt Bruce Innis, der vom Reed-Institut zum Pharmakonzern gegangen ist. Der geplante Versuch wird zum ersten Mal überhaupt die Reaktion des Immunsystems ins Verhältnis zum Schutz vor einer Erkrankung setzen.

Weil die Forschung an abgeschwächten Viren so lange dauert, haben Forscher auch Alternativen untersucht. Die größten Fortschritte haben sie mit einem Chimären-Virus gemacht: Das Gerüst stammt von Gelbfieber, aber einige wichtige Strukturgene von Dengue. Sanofi Pasteur hat diese Technik lizensiert und testet zurzeit ein tetravalentes Vakzin in der Phase II an Erwachsenen und Kindern. Forscher sehen bei beiden Ansätzen Vorteile. Gubler lobt, man könne den Chimären-Virus mit genetischer Manipulation besser anpassen. Innis hingegen bemängelt, dass das Immunsystem nur auf einige Dengue-Gene reagieren kann und nicht auf alle zehn wie beim abgeschwächten Lebend-Impfstoff.

Während die Entwickler ihre Kandidaten noch entwickeln, bereitet eine Organisation in Seoul schon die Testregionen für große Phase-III-Tests vor. Sie sind vor der Zulassung nötig. Dazu hat die Pediatric Dengue Vaccine Initiative (PDVI) Geld von der Gates-Stiftung bekommen. Sie sammelt zunächst Basisdaten und verfolgt, welche Dengue-Typen im Umlauf sind und wie hoch die Infektionsraten liegen. Dafür ist Personal und Laborkapazität nötig. "Das erspart den Herstellern viel Zeit und Geld, weil sie die Testzentren nicht selbst vorbereiten müssen", sagt Duane Gubler, der den Beirat der PDVI leitet.

Die Initiative werde die Zeit bis zur Markteinführung eines Impfstoffes um drei Jahre verkürzen, nimmt er an. Die logistische Hilfe habe auch kleine Firmen ermutigt, die Herausforderung durch Dengue anzunehmen. Nun brauchen die Forscher nur noch erfolgversprechende Kandidaten für die Phase-III-Studie. Und die sollte es innerhalb der kommenden zehn Jahre geben, sagt er voraus.

Dieser Text erscheint heute im Original im internationalen Wissenschaftsmagazin Science, herausgegeben von der AAAS. Weitere Informationen: www. sciencemag.org, www.aaas.org. Deutsche Bearbeitung: Christopher Schrader

© SZ vom 14.9.2007
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