Familien-NewsletterDas Schulklo als politischer Raum

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Jörg Carstensen/dpa

Wie schafft man es, dass sich Kinder und Jugendliche für demokratische Werte engagieren? Unser Autor hat erfahren, dass Schultoiletten dabei eine nicht zu unterschätzende Rolle spielen können.

Ein Familien-Newsletter von Vinzent-Vitus Leitgeb

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Dieser Text stammt aus dem Familien-Newsletter der „Süddeutschen Zeitung“, der jeden Freitagabend verschickt wird. Hier können Sie ihn abonnieren.

Liebe Leserin, lieber Leser,

wenn Ihre Kinder zur Schule gehen, kennen Sie es sicher auch: das Klagen über den Zustand der Schultoiletten. Vielleicht kennen Sie das auch noch aus der eigenen Schulzeit oder haben einen einigermaßen guten Eindruck davon durch diverse Medienberichte. Denn in Deutschland haben die Schulklos ja nicht unbedingt den besten Ruf. Gerne wird an ihrem Beispiel auch über die ganz großen Themen debattiert, die das Land beschäftigen: über bröckelnde Infrastruktur und stockende Reformen. Immer wieder läuft es in konkreten Berichten über Probleme auf eines von drei Vs hinaus: Vandalismus, Vapen und Verstopfungen.

Dabei kann man diesen Ort durchaus positiv sehen, wie ich auf einer Reise nach Kiel in Schleswig-Holstein zuletzt erleben durfte. Dort traf ich die 18-jährige Schülerin Luisa Galli, die sich in bemerkenswertem Ausmaß politisch engagiert. Begonnen hat ihre politische Karriere allerdings auf den Klos ihrer Schule. Oder wie sie sagt: dem ersten politischen Raum, den Kinder und Jugendliche selbst gestalten wollen, um den sie kämpfen, an dem sie aber auch etliche Konflikte aushandeln müssen. Schulklos als Keimzelle der Demokratie? Das mag wie eine steile These klingen, aber lesen Sie selbst, und schreiben Sie mir, ob Sie das Beispiel von Luisa Galli überzeugt (SZ Plus) oder Sie bessere kennen, bei denen Kinder an Schulen mitgestalten und sich für Engagement begeistern können.

Denn dass Schulen sich heute mehr denn je mit Demokratie auseinandersetzen müssen und der Frage, wie Kinder demokratische Werte kennenlernen, steht außer Frage. Im Herbst könnte die AfD in Sachsen-Anhalt erstmals Teil einer Landesregierung werden. Für Schulen hat sie große Pläne und könnte potenziell auch viel verändern, weil Bildungspolitik Ländersache ist. Wie die rechtsextreme Partei jetzt schon das Klima an Schulen im Land verändert hat und welche Rolle Eltern und Kinder dabei spielen, hat mir der Schulleiter Marco Ladewig aus Haldensleben in Sachsen-Anhalt zuletzt sehr eindrücklich erzählt (SZ Plus): Es geht um rechte Parolen und Hakenkreuze am Schulhof und um öffentlichen Druck auf Lehrkräfte in sozialen Medien.

Ein Wunsch von Marco Ladewig: Eltern sollen häufiger mit ihren Kindern über Politik sprechen. Vielleicht ja schon dieses Wochenende?

Ich hoffe, Sie haben eine gute Zeit,

Vinzent-Vitus Leitgeb

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