bedeckt München 29°

Demografischer Wandel in Deutschland:Wenige Babys, langes Leben

Messe für Senioren gestartet

Geringe Geburtenrate, viele Rentner: Der Altersdurchschnitt der Deutschen steigt stetig.

(Foto: dpa)

Im europäischen Vergleich oft Spitzenreiter, diesmal nur Schlusslicht: Deutschland hat die älteste Bevölkerung innerhalb der EU - der Unterschied zwischen Ost und West ist besonders auffällig.

Deutschland hat die älteste Bevölkerung innerhalb der Europäischen Union. 45 Jahre beträgt das Medianalter hierzulande - das sind rund dreieinhalb Jahre mehr als der Durchschnittswert aller EU-Staaten (41,5 Jahre). Über einen Zeitraum von gut vier Jahrzehnten haben Wissenschaftler des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung (BiB) in Wiesbaden das Geburtenniveau, die Zu- und Abwanderung in den einzelnen Ländern sowie die Lebenserwartung miteinander verglichen. Besonders auffällig ist die Entwicklung in Ost- und Westdeutschland seit 1990: Der Osten ist um über zehn Jahre älter geworden - bedingt durch die demografische Entwicklung und weil viele junge Menschen abgewandert sind.

"Auf dem Gebiet der ehemaligen DDR ist die Entwicklung besonders tragisch", sagt Christian Fiedler vom BiB. Im Jahr der Wiedervereinigung lebte in Ostdeutschland eine jüngere Bevölkerung als in Westdeutschland, es stand 36,6 zu 37,9. "Der Wegzug junger Menschen hat die Bevölkerungsalterung im Osten nachhaltig beeinflusst. Schließlich ist mit ihnen ja auch ein Teil der zukünftigen Elterngeneration verloren gegangen", so Fiedler.

Verstärkt wird die Situation noch, weil Frauen in Ostdeutschland weniger Kinder bekommen als früher; kinderreiche Familien sind dort fast völlig verschwunden. Das liegt nicht nur an komplizierter Vereinbarkeit von Familie und Beruf oder mangelnden Betreuungsmöglichkeiten, sondern schlichtweg an der "schwierigen ökonomischen Lage der Familien in Ostdeutschland", so das BiB. Betrachtet man nur den Osten, beträgt das Medianalter dort sogar 47,1 Jahre, im Westen liegt es bei 44,5.

Nur 1,39 Kinder pro Frau

Irland hat die jüngste Bevölkerung in 28 untersuchten EU-Staaten, hier beträgt das Medianalter nur 35 Jahre. Um auf diesen Mittelwert zu kommen, teilen die Forscher die Bevölkerung in zwei gleich große Gruppen, eine ist jünger, eine älter als 35 Jahre. In der Methusalem-Liste folgen auf Deutschland Italien mit 43,8 Jahren und Bulgarien mit 42,7 Jahren. Das Bundesinstitut hat die Zahlen aus den Jahren 1970, 1990 und 2012 gegenübergestellt.

Auffällig ist, dass sich die Struktur in den europäischen Staaten sehr unterschiedlich entwickelt hat. Zwischen 1990 und 2012 ist der Wert in Deutschland um 7,4 Jahre angewachsen. Nur in Portugal (8,4) und Litauen (9,2) war die Zunahme noch deutlicher. "Der Anstieg des Medianalters in Schweden im gleichen Zeitraum ist mit 2,4 Jahren hingegen eher moderat ausgefallen", sagt Fiedler. Die Menschen dort werden zwar auch immer älter, der Zuzug von Ausländern und die Geburtenrate in Schweden halten sich jedoch halbwegs die Waage.

Bemerkenswert für die Forscher war auch die Zahl von 40,7 Jahren in Spanien, das Land liegt damit ebenfalls unter dem EU-Durchschnittswert. "Obwohl hier ein starker Zuzug auch von alten Menschen erfolgt, etwa von Senioren aus England oder Deutschland, denen es zuhause zu kalt ist, wirkt die Bilanz ausgeglichen", sagt der BiB-Sprecher.

Eine Arbeitsgruppe des Bundesinstituts versucht nun zu ergründen, wie weit kulturelle Leitbilder eine Rolle dabei spielen, dass immer weniger Kinder hierzulande geboren werden und die Bereitschaft zur Elternschaft schwindet. Deutschland hat die elftniedrigste Geburtenziffer in Europa, es sind - statistisch gesehen - nur 1,39 Kinder pro Frau.

Deutlich messbar sind die Veränderungen durch die sinkende Geburtenrate und die steigende Lebenserwartung seit Jahrzehnten auch beim Durchschnittsalter - dies errechnet sich aus der Summe der demografischen Daten. Das durchschnittliche Alter der Bevölkerung lag in Deutschland demnach im Jahr 2011 bei 42,6 Jahren für Männer. Frauen sind im Schnitt 45,3 Jahre alt.

© SZ vom 28.11.2013/ahe/dmo

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite