Internet: Do-it-yourself-Plattform DaWanda Schenk doch mal Haarreifen mit Lebkuchen!

Die Internetplattform "DaWanda" bietet Selbstgemachtes für jedermann, den größten Umsatz bringt das Weihnachtsgeschäft. Chefin Helming über das perfekte Geschenk.

Interview: Anna-Lena Roth

Claudia Helming weiß, was Frauen wollen - zumindest, über welche Weihnachtsgeschenke sie sich besonders freuen. Gemeinsam mit Michael Pütz hat sie vor vier Jahren die Internetplattform DaWanda gegründet, auf der hauptsächlich Selbstgemachtes zu kaufen ist. Innerhalb weniger Monate wurde DaWanda zu einer der beliebtesten Seiten in Deutschland, mittlerweile werden dort rund eine Million Produkte angeboten. Doch mit dem Erfolg wächst die Kritik: Zu kommerziell, zu massentauglich, heißt es. Ein Gespräch mit Chefin Claudia Helming, 36, über das perfekte Weihnachtsgeschenk und den Trend zum Selbermachen.

Seitdem "DaWanda" im Dezember 2006 online ging, wächst die Internetseite rasant. Vor allem Frauen suchen in der Vorweihnachtszeit dort nach dem perfekten Geschenk.

(Foto: dpa)

sueddeutsche.de: Frau Helming, auf Ihrer Seite kann man Kissen in Form eines Brathähnchens, Filzmäntel für Äpfel oder Hängematten für Meerschweinchen kaufen. Wer braucht denn sowas?

Claudia Helming: Jeder, der sich selbst oder anderen mit individuellen Geschenken eine Freude machen will. Der sich nicht dem industrialisierten Massenkonsum anpassen will. Das Schöne bei DaWanda ist ja, dass man immer überrascht wird und Produkte findet, die es sonst nirgends gibt. Nicht umsonst haben wir unsere Internetseite nach einem afrikanischen Frauennamen benannt, der übersetzt "die Einzigartige" bedeutet.

sueddeutsche.de: 850.000 Mitglieder haben sich mittlerweile auf Ihrer Seite registriert. Ist jeder von ihnen wirklich einzigartig? Oder gibt es ihn doch, den typischen DaWanda-Nutzer?

Helming: 90 Prozent der Einkäufer sind tatsächlich Frauen, der Großteil ist zwischen 20 und 40 Jahre alt. Auch bei den Verkäufern überwiegen sie mit etwa 85 Prozent. Das liegt wohl daran, dass Frauen gerne nach Geschenken stöbern und sich dafür viel Zeit nehmen. Männer hingegen wollen bei ihrer Suche schnell ans Ziel kommen. Die Zahl der männlichen Einkäufer erhöht sich nur vor Weihnachten, da machen sie dann rund 20 Prozent aus.

sueddeutsche.de: Gibt es auch bei den Produkten allgemeine Vorlieben? Was sind die Klassiker für Frauen und für Männer?

Helming: Frauen kaufen häufig Schals, Hüte und Schmuck. Bei den Männern ist es einfacher, die interessieren sich für alles, was den Technikfreak in ihnen kitzelt. Taschen für den Laptop oder den iPod beispielsweise.

sueddeutsche.de: Das klingt allerdings nicht sehr ausgefallen. Das könnte man doch in jedem beliebigen Geschäft kaufen.

Helming: Eben nicht. Klar bekommen Sie eine iPod-Tasche auch im Kaufhaus. Aber keine, deren Filzoberfläche wie ein Stück Schinken aussieht. Oder Haarreifen, die mit Lebkuchen und kleinen Christbaumkugeln verziert sind.

sueddeutsche.de: Gibt es in diesem Jahr ein Produkt, das als Geschenk besonders gefragt ist?

Helming: Der absolute Renner ist bis jetzt die "schönetagebox", eine Mischung aus immerwährendem Kalender und Tagebuch. Auf 365 Karteikarten kann man die Besonderheiten des Tages festhalten, jedes Jahr aufs Neue. Innerhalb von zehn Tagen haben wir 85 verkauft.

sueddeutsche.de: Erledigen Sie Ihre Weihnachtseinkäufe auch auf DaWanda?

Helming: Ja, zu 90 Prozent schon. Meinen Eltern habe ich vergangenes Jahr beispielsweise ein Vogelhaus geschenkt, das aussah wie eine Überwachungskamera. Sie waren begeistert.

sueddeutsche.de: Pro Tag werden auf Ihrer Internetseite 19.000 Produkte gekauft. Ist es nicht gerade an Weihnachten ziemlich traurig, dass sich die Menschen anscheinend gar keine Mühe mehr machen, ihre Geschenke selber zu basteln?

Helming: Sicher, es gibt auch viele Faule, die bei uns einkaufen. Aber die meisten basteln gleichzeitig auch selbst. Nur haben sie nicht immer auch die nötige Zeit oder beherrschen alle Techniken.

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