Dating-App Der geheime Club der Tinder-VIPs

Die Dating-App soll einen exklusiven Bereich namens "Tinder Select" haben - rein kommt man nur mit Empfehlung. Es ist die logische Fortführung eines gesellschaftlichen Phänomens.

Von Jana Stegemann

Irgendwann musste es so kommen. Die oberflächlichste Dating-App der Welt hat es tatsächlich geschafft, noch oberflächlicher zu werden. Tinder hat - wenn man Berichten des stets gut informierten Portals TechCrunch glauben darf - einen nicht-öffentlichen Bereich namens "Tinder Select" für exklusive Kunden freigeschaltet.

Und weil nur Superlative zählen, sollen zu Tinders neuem VIP-Bereich selbstverständlich nur die Besten der Besten Zutritt haben. Eine nicht näher genannte Quelle wird wie folgt zitiert: "Tinder Select ist für Prominente und Menschen, die extrem erfolgreich auf Tinder sind". Ein geheimes Sammelbecken der erfolgreichsten Singles dieser Welt - zu denen dem Bericht zufolge selbstverständlich Supermodels und CEOs zählen. Dazu sollte man wissen: Beide Berufsbezeichnungen sind nicht geschützt.

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Eingeladen zu der Elite-Community wird demnach das begehrteste Tinder-Prozent. Jene Nutzer, die Plätze möglichst weit oben auf dem internen "Elo-Score" belegen. Dieser geheime Tinder-Algorithmus wurde leider nie transparent erklärt. Berichten zufolge misst Tinder damit aber, wie gut oder schlecht die einzelnen Nutzer bei anderen Nutzern ankommen und errechnet auf Basis dieser Daten ein internes Nutzer-Ranking.

Where Prince Harry meets Meghan Markle

Erkaufen können sich Nutzer den Zutritt nicht - die Macher hinter der Dating-App wählten die ersten Mitglieder selbst aus. Diese wiederum sollen andere Nutzer einladen können. Im "Tinder Select"-Club soll es ein farblich ansprechenderes Umfeld geben - statt der orangefarbenen Flamme ist es ein zurückhaltendes marineblaues "S" zu sehen - und eine angeblich hochkarätige Auswahl an Singles. Die in einigen Gegenden aber so dürftig sein soll, dass der VIP-Nutzer froh sein dürfte, dass er die Wahl hat, ob er unter seinesgleichen bleiben oder sich doch wieder durch die gemeinen Tinder-Nutzer wischen will.

Seit sechs Monaten soll der geheime Elite-Bereich bereits bestehen, kommentieren möchte Tinder die Neuerung bislang nicht. In den sozialen Netzwerken sind allerdings Screenshots aufgetaucht.

"Tinder Select" ist die digitale Fortführung eines Prinzips, das es seit langem gibt: das des Member Clubs. In Deutschland sind die bekanntesten Vertreter seit 2010 das "Soho-House" in Berlin und in München seit Januar 2016 das "Hearthouse". Beide Clubs kosten Jahresmitgliedschaften zwischen 900 und 1200 Euro und wollen Privatclub für die selbsternannte Lifestyle-Elite des Landes sein. Im Berliner "Soho House" soll häufiger George Clooney zu Gast sein. Es gibt einen Dachterrassenpool, einen Fitnessbereich, viel Getue. Im "Soho House" in London wurden sich vor mehr als einem Jahr ein Mann und eine Frau vorgestellt: Es waren Prinz Harry und Meghan Markle. Der Rest ist Boulevardgeschichte.

Bei Bumble zählen andere Bewertungskriterien

Es geht bei diesen Private Member Clubs um Exklusivität, um Zugehörigkeit, um das Gefühl des Besonderen, ums Mitreden im Klüngel der vermeintlich Mächtigen. Um das gute Gefühl, das jeder minderjährige Dorfdiscobesucher einst hatte: Die harte Tür passiert zu haben, nicht mit einem "Du kommst hier nicht rein" abgelehnt worden zu sein. Am Ende läuft es immer darauf hinaus, dass der Mensch danach strebt dazuzugehören. Und Tinder wäre nicht die erste Plattform, die dieses Streben für sich nutzt. 2014 gab es den Versuch, eine Art "Facebook" für Superreiche zu gründen: Die Seite floppte. Raya führte bislang den Kreis der Elite-Apps an, rein kommt unter anderem, wer ausreichend Follower auf Instagram hat.

Anders kommt der Nutzer in der US-Dating App Bumble zum VIP-Status. Die 27-jährige Firmenchefin Whitney Wolfe war Co-Gründerin von Tinder, verließ das Unternehmen jedoch, nachdem sie Klage wegen sexueller Belästigung in dem Unternehmen eingereicht hatte. Sie entwickelte später in Bumble eine Dating-App, in der Frauen das Sagen haben. Bei einer Verlinkung, dem sogenannten Match, muss die Frau innerhalb von 24 Stunden den ersten Schritt machen und den Mann/die Frau anschreiben. Männer haben keine Möglichkeit zur Kontaktaufnahme. 12,5 Millionen Mitglieder scheinen das gut zu finden.

Für den VIP-Bereich "Vibee" bei Bumble werden übrigens andere Bewertungskritierien angelegt. Reichtum, Aussehen, Instagram-Follower und Macht sind nicht wichtig. Die Mitgliedschaft im Exklusiv-Bereich ist eine Auszeichnung für: besonders nette Nutzer.

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