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Essay:Lasst mich durch, ich muss ans Meer

Wie schön war doch der letzte Urlaub am Mittelmeer: Szenerie bei Ischia.

(Foto: Julia Hecht)

Sicher, es gibt viel wichtigere Probleme auf dieser Welt. Aber der Sommer steht vor der Tür, und gegen das Fernweh hilft Vernunft nur sehr wenig.

Der Skandal war im hinteren Teil des Magazins AD versteckt. Ein Foto, ganzseitig, glänzend und von der Sekunde des Umblätterns an betörend: eine Frau im tiefblauen Badeanzug, ein Mann in Shorts, beide elegant sonnenmüde auf dem Mahagoni-Badedeck eines alten Motorboots. Hinter ihnen appetitlich sprudelndes Kielwasser und ein Stück vom weiten Meer. Banales Motiv? Klar. Aber letzte Woche wirkte es auf den unvorbereiteten Leser so explizit wie ein Porno. Es war unerhört, ein Tabubruch, Medienaufsicht, hilf! Die Sonne und das Glitzern der Wellen brannten sich jedenfalls sofort in die Netzhaut, der tiefblaue Badeanzug wandert seither unstet durch die Träume. Es war eigentlich nur eine Anzeige für ein neues Hotel in Montenegro. Aber seither hält sich ein hartnäckiger Tinnitus: Oh, wie schön ist Montenegro!

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