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Corona und Kommunikation:Mimik hinter Maske

Coronavirus - München

Nicht immer sind die Gefühle hinter der Maske so einfach zu erahnen wie bei diesem Paar.

(Foto: dpa)

Lachfalten oder Krähenfüße? Einer Studie zufolge werden Emotionen von Maskenträgern oft falsch gedeutet. Doch es gibt andere Möglichkeiten, sich auszudrücken.

Die Maskenpflicht hat Sicherheit, aber auch Verwirrung in den Alltag gebracht. Eine aktuelle Studie der Otto-Friedrich-Universität Bamberg hat ergeben, dass Gesichtsmasken es quasi unmöglich machen, Emotionen des Gegenübers richtig zu deuten. Das ist nicht zu unterschätzen, denn Menschen haben seit jeher das Bedürfnis, ihre Gefühle zu transportieren, weshalb sie Emojis erfanden, um ihre Kurznachrichten anzureichern.

Seit der Studie steht nun fest: "Man kann Emotionen hinter der Maske nicht mehr lesen", sagt der Wahrnehmungspsychologe Claus-Christian Carbon, Inhaber des Lehrstuhls für Allgemeine Psychologie und Methodenlehre. Jetzt, wo man das wisse, müsse man sich etwas Neues überlegen. Dem österreichischen Philosophen und Kommunikationswissenschaftler Paul Watzlawick zufolge kann der Mensch nicht nicht kommunizieren. Selbst wer im besetzten Fahrstuhl wortlos auf den Boden starrt, sendet eine Botschaft: "Ich will keinen Kontakt. Lasst mich in Ruhe."

Bankräuber oder ungeduldiger Kunde?

Doch wie vermittelt man in einem Geldinstitut, dass man es wirklich sehr eilig hat, ohne sein Gegenüber nachhaltig zu verunsichern? Man stelle sich folgenden Dialog am Schalter vor: "Guten Tag, wie kann ich Ihnen helfen?" "20.000 in kleinen Scheinen, schnell." Jetzt wäre es praktisch, das Antlitz des Anderen zu sehen. Sind das Lachfältchen oder Krähenfüße? Hat man es mit einem Bankräuber zu tun? Oder nur mit einem ungeduldigen Kunden.

Man wüsste es, wenn sichtbar wäre, ob der andere gerade einen Mundwinkel anhebt oder zwei. "Mundbewegungen sind das wichtigste Signal in der menschlichen Kommunikation", sagt Christian Wallraven, Professor für künstliche Intelligenz und kognitive Neurowissenschaften. Allein aufgrund seiner Größe sei der Mund für die Vermittlung von Emotionen am besten geeignet.

Im Vergleich dazu bietet die obere Gesichtshälfte nur begrenzt Möglichkeiten: die Augen zusammenkneifen oder aufreißen, die Stirn in Falten legen, das war's. Für die meisten Menschen ist das zu wenig, um Emotionen zu erkennen beziehungsweise nonverbal auszudrücken. Studien zeigen, dass Asiaten sich im Alltag mehr auf die Augen konzentrieren. Doch Europäer sind es gewohnt, im ganzen Gesicht zu lesen. "Wenn wir versuchen, die Signale hinter einer Maske zu deuten, geht das eben oft schief", sagt Neurowissenschaftler Wallraven.

Müssen die Menschen nun lernen, ihr Gesicht stärker in Falten zu legen und breiter zu grinsen, damit die Grundemotionen es über den Rand der Maske schaffen? "Ich denke nicht, dass wir künftig etwa Zweifel ausdrücken sollten, indem wir besonders deutlich die Augenbrauen hochziehen", sagt Wallraven. Im Alltag sei es sinnvoller, seine Emotionen mit Gesten und Worten zu unterstreichen.

Wallraven, der an der Korea University in Seoul forscht, hat beobachtet, dass die Menschen dort, die das Tragen von Masken ja etwas länger gewohnt sind, zunehmend auf Gestik ausweichen. "Wenn man einverstanden ist, nickt man eben dazu oder hält einen Daumen hoch", sagt der Wissenschaftler. Außerdem werde einfach mehr geredet.

Wie konnte man das nur vergessen. Womöglich ist es doch am sichersten, seine Gefühle in Worte zu fassen. Nur nuscheln sollte man dabei nicht.

© SZ vom 30.05.2020/misc
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