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Corona-Krise:Verhältnismäßigkeit: Das Wort des Jahres?

Min Max

Wie viel ist zu wenig, wie viel ist zu viel? Mit diesen Fragen beschäftigt sich die Politik - und die Justiz.

(Foto: Christian Tönsmann)

Es kommt nur selten vor, dass juristische Begriffe in die Alltagssprache eingehen. Über die erstaunliche Karriere der "Verhältnismäßigkeit" und die Frage, was für eine Gesellschaft wirklich wichtig ist.

Essay von Wolfgang Janisch

Wäre das Wort nicht so unspektakulär, dann hätte es vielleicht Chancen im Rennen um das Wort des Jahres. Verhältnismäßigkeit: klingt spröde und wirkt dabei ein wenig blass. Und das Adjektiv ist geradezu alltäglich, fast schon gewöhnlich. Verhältnismäßig. Donald Trump ist verhältnismäßig schwer oder dreist oder reich, also im Verhältnis zum Durchschnitt der Mitmenschen; man könnte auch "vergleichsweise" sagen. Der Sommer war verhältnismäßig trocken. Broccoli ist dieses Jahr verhältnismäßig teuer. Ließe sich das Fünf-Silben-Wort irgendwie unfallfrei singen, hätten die Wise Guys wahrscheinlich zugegriffen, aber sie haben dann einen relativ wendigen Ersatz gefunden: "Ich bin relativ groß / Verglichen mit 'nem Kieselstein / Aber neben einem Felsen / Steh ich relativ klein."

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