Corona-Krise:Verhältnismäßigkeit: Das Wort des Jahres?

Lesezeit: 8 min

Min Max

Wie viel ist zu wenig, wie viel ist zu viel? Mit diesen Fragen beschäftigt sich die Politik - und die Justiz.

(Foto: Christian Tönsmann)

Es kommt nur selten vor, dass juristische Begriffe in die Alltagssprache eingehen. Über die erstaunliche Karriere der "Verhältnismäßigkeit" und die Frage, was für eine Gesellschaft wirklich wichtig ist.

Essay von Wolfgang Janisch

Wäre das Wort nicht so unspektakulär, dann hätte es vielleicht Chancen im Rennen um das Wort des Jahres. Verhältnismäßigkeit: klingt spröde und wirkt dabei ein wenig blass. Und das Adjektiv ist geradezu alltäglich, fast schon gewöhnlich. Verhältnismäßig. Donald Trump ist verhältnismäßig schwer oder dreist oder reich, also im Verhältnis zum Durchschnitt der Mitmenschen; man könnte auch "vergleichsweise" sagen. Der Sommer war verhältnismäßig trocken. Broccoli ist dieses Jahr verhältnismäßig teuer. Ließe sich das Fünf-Silben-Wort irgendwie unfallfrei singen, hätten die Wise Guys wahrscheinlich zugegriffen, aber sie haben dann einen relativ wendigen Ersatz gefunden: "Ich bin relativ groß / Verglichen mit 'nem Kieselstein / Aber neben einem Felsen / Steh ich relativ klein."

SZ-Plus-Abonnenten lesen auch:
Silvester Menü
Essen und Trinken
»Beim Kochen für Gäste geht es auch um Anerkennung«
Geheimdienste im Ukraine-Krieg
An der unsichtbaren Front
Interview mit Sido
"Mein Problem war selbst für die Profis relativ neu"
Enjoying the fresh sea air; loslassen
Liebe und Partnerschaft
»Solange man die Emotionen zulässt, ebben sie auch wieder ab«
SZ-Magazin
Liebe und Partnerschaft
Und was, wenn nur einer ein Kind will?
Zur SZ-Startseite