Brettspiel-Tipps:Würfeln in fernen Galaxien

Ob "Star Wars", Piraten der Karibik oder ein gemütlicher Ausflug durch das historische Japan: Wer heute Brettspiele spielt, greift längst nicht mehr nur zu Klassikern wie "Monopoly", "Risiko" oder den "Siedlern von Catan". Sieben ungewöhnliche Brettspiel-Tipps für lange Winterabende.

Von Daniel Wüllner und Matthias Huber

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Tokaido

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Quelle: Matthias Huber

Ein ruhiges Spiel für ruhige Tage: In "Tokaido" spazieren zwei bis fünf Spieler ganz gemütlich durchs mittelalterliche Japan, über die alte Handelsstraße von Kyoto nach Edo (das heutige Tokyo). Auf dem Weg gilt es, möglichst viele Souvenirs einzusammeln, heiße Dampfbäder zu besuchen und im Tempel Münzen zu spenden. Die Spielmechanik lädt zur Geduld ein: Es wird nicht gewürfelt. Immer der Spieler ist am Zug, dessen Figur am weitesten hinten steht. So versucht jeder, sich so langsam wie möglich zu bewegen - und trotzdem an den Raststätten das leckerste Sushi oder Tempura zu verzehren. Am Ende der ausgedehnten Wanderung wird gezählt, wer die meisten Kostbarkeiten gegessen und eingesammelt hat. Doch eigentlich ist in Tokaido der Weg das Ziel.

Daniel Wüllner

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Patchwork

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Quelle: Matthias Huber

Sie suchen ein Spiel nur für sich und Ihren Partner? "Monopoly" macht zu zweit keinen Spaß und auch bei "Risiko" sind die strategischen Möglichkeiten mit nur einer feindlichen Armee eher begrenzt? Eine Lösung heißt "Patchwork". Das Brettspiel für zwei Spieler sieht aus wie eine Mischung aus Tetris und Textilunterricht. Beide Spieler versuchen, ihren zehn mal zehn Felder großen Quilt mit bunten geometrischen Flicken aus Karton zu füllen. Dazu bezahlen sie ganz stilecht mit Knöpfen, die am Schluss über Sieg und Niederlage im Handarbeitskleinkrieg entscheiden. Der Autor Uwe Rosenberg ("Agricola") hat mit "Patchwork" ein Brettspiel entworfen, das zwei Spieler 30 Minuten lang einlädt, bunten Karton hin- und herzuschieben. Am Ende werden beide Spieler stolz auf ihr Strickkunstwerk blicken und Spaß gehabt haben.

Daniel Wüllner

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Machi Koro

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Quelle: Matthias Huber

Kaufe ich mir noch eine zweite Möbelfabrik? Oder pflanze ich doch lieber einen dritten Wald? Und überhaupt: Wenn ich eine Drei oder Vier würfle, dann bekomme ich gar nichts! Es ist gar nicht so einfach, in "Machi Koro" eine funktionierende Wirtschaft aufzubauen, mit der man wirklich für alle Situationen - heißt: Würfelergebnisse - gerüstet ist. Die unterschiedlichen Gebäude und Einrichtungen, als Spielkarten dargestellt, reagieren alle auf eine bestimmte Zahl: Pro Bauernhof und gewürfelter Zwei erhält jeder Spieler eine Münze, pro Wald und gewürfelter Fünf sogar drei Münzen. Die Möbelfabrik wird bei einer Acht in Betrieb genommen und wirft dann umso mehr Geld ab, je mehr Wälder oder Bergwerke im Besitz des Spielers sind. Ziel ist es, als erstes seine Kartenstadt mit einem Einkaufszentrum, einem Freizeitpark und einem Fernsehturm auszustatten - und dabei nicht vorher das ganze Geld in den Cafés oder Restaurants der Nachbarstädte zu verprassen.

Matthias Huber

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Love Letter

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Quelle: Matthias Huber

Was hält viele Familen eigentlich davon ab, Brettspiele zu spielen? Es sind die großen staubigen Kästen, das ellenlange Regelwerk und die kleinen Streitigkeiten. Stellen Sie sich ein Spiel vor mit nur 16 Karten, auf denen bereits alle Regeln stehen. Bei "Love Letter" versucht jeder der zwei bis vier Spieler, einen Liebesbrief zur Prinzessin zu schmuggeln. Die Karte, die der Spieler auf der Hand hält, zeigt an, wer den Brief gerade hat: Je höher die Zahl auf der Karte, desto näher an der Prinzessin ist die Person. Wer dran ist, zieht eine Karte und entscheidet, welche der beiden er wieder abschmeißt. Fast jede Karte löst eine Eigenschaft aus, wenn Sie abgeworfen wird: Mit dem Bischof kann man zum Beispiel die Karte eines Mitspielers ansehen. Wer am Ende der Runde noch im Spiel ist und die höchte Zahl auf seiner Karte hat, gewinnt.

Daniel Wüllner

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Libertalia

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Quelle: Matthias Huber

Zugegeben: Es mag nicht besonders geruhsam klingen, mit einer Mannschaft von Piraten in der Karibik auf Kaperfahrt zu gehen. Im Fall von "Libertalia" ist das aber gar nicht so hektisch, wie man denken könnte. Bis zu sechs Kapitäne befehligen ihre Crew auf ihrem letzten großen Beutezug, es gilt, noch einmal ordentlich in die karibische Rentenkasse einzuzahlen, ehe man sich in der utopischen Piratensiedlung "Libertalia" zur Ruhe setzen kann. Die Spieler schicken reihum jeweils eines von 30 verschiedenen Besatzungsmitgliedern in den Kampf, vom einfachen Papagei bis hin zur mysteriösen Meeresnymphe Granny Wata. Je nachdem, was die anderen Spieler gelegt haben, darf man sich als erstes oder als letztes aus dem Frachtraum des gekaperten Schiffes bedienen. Wer nach drei Runden am meisten Reichtümer angehäuft hat, gewinnt - wenn sich nicht ein verfluchter Schatz unter all die Dublonen und Juwelen gemischt hat.

Matthias Huber

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Twilight Struggle

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Quelle: Matthias Huber

Wem der Strategiespiel-Klassiker "Axis and Allies" ein wenig zu militärischer Stoff ist, der kann mit "Twilight Struggle" auch eine etwas diplomatischere Geschichtsstunde auf den Spieltisch bringen. Vom Ende des Zweiten Weltkriegs bis zum Fall der Berliner Mauer - hier geht es um den Kalten Krieg. Ein Spieler übernimmt die Rolle der Westmächte, sein Gegner die des Ostblocks. Sie reagieren auf weltpolitische Ereignisse, die per Kartenstapel bestimmt werden. Anstatt Truppen werden Einfluss-Zähler in den verschiedenen Ländern der Welt platziert, je nach historischem Zeitabschnitt verschiebt sich das Zentrum des Interesses mal nach Südostasien, mal nach Mitteleuropa oder Mittelamerika. Nur allzu aggressiv dürfen sowohl die Nato-Staaten als auch die Sowjetunion nie vorgehen, sonst kommt es zum Atomkrieg. Und dann haben beide Seiten das Spiel verloren.

Matthias Huber

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Star Wars: X-Wing Miniaturenspiel

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Quelle: Matthias Huber

Eigentlich ist das "X-Wing Miniaturenspiel" kein Brettspiel im engeren Sinn - es braucht dafür nämlich kein Spielbrett, sondern kann auf jeder Unterlage entsprechender Größe (90x90 cm) gespielt werden. Am meisten Spaß macht das Weltraumgeballer aber vor einem wahrhaft galaktischem Hintergrund. Ein Spieler übernimmt die Rolle des Imperiums, der andere führt Rebellen wie Han Solo mit seinem Millenium-Falken oder Luke Skywalker in einem X-Wing in die Schlacht. Schablonen bestimmen die Flugreichweite und das Laserfeuer, Würfel den Ausgang der Kämpfe. Wer am Schluss noch mindestens ein Raumschiff auf dem Tisch hat, gewinnt. Neben dem Grundspiel, das nur aus einem X-Wing und zwei Tie-Fightern besteht, gibt es unzählige weitere Flieger als Erweiterung - vom wieselflinken A-Wing bis hin zum etwa 50 Zentimeter langen Modell des Raumkreuzers "Tantive", in dem zu Beginn des Films "Krieg der Sterne" Prinzessin Leia unterwegs ist - bis sie in die Gefangenschaft von Darth Vader gerät.

Linktipp: Ein etwa zehnminütiges Video, in dem alle wichtigen Regeln erklärt sind, finden Sie hier.

Matthias Huber

© Süddeutsche.de/mane
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