Es war Anfang der Neunziger, als die Schönheit einer Frau mich zum ersten Mal umwarf. An der Uni Freiburg begann ich gerade mein Germanistikstudium, Thema der Vorlesung war Büchners "Lenz". Zehn Minuten um, da wurde die Tür des Seminarraums aufgerissen: Herein kam noch eine Büchner-Studentin, in Wahrheit aber ein Wesen von einem anderen Stern. Supergroß, superschlank, schulterlange rote Haare, unwirklich blasser, mit Sommersprossen reich verzierter Teint. Kein Make-up. Sie hatte eine ganz und gar ebenmäßige Physiognomie, grüne Augen, eine aristokratische Nase, darunter die Lippen wie aufgesprungen, was einen elegant angepissten Gesichtsausdruck ergab.
MeinungBody Positivity:Lass mich mit Deiner Schönheit in Ruhe

Ein Essay von Tanja Rest
Lesezeit: 8 Min.

Die einen rennen ins Fitnesstudio und zum Chirurgen, die anderen erklären sich in all ihrem Wogen und Wabbeln kurzerhand für #beautiful. Es hilft nichts: Schön ist trotzdem kaum jemand.
