Beziehungen in digitalen Zeiten Heirat und Scheidung ganz pragmatisch

  • Pragmatisch: Früher ging man zum Eheberater - heute schätzen immer mehr User den pragmatischen Aspekt virtueller Beratungsportale: weniger Zeitaufwand, weniger Kosten, keine Wartezeiten auf einen Therapieplatz. Man muss sich nicht an Termine halten, sondern beantwortet die Fragen des Therapeuten dann, wenn man Zeit hat. Für Paartherapeut Wilchfort stellt die virtuelle Beziehungspflege durchaus eine Alternative dar - allerdings komme es dabei auf die Zielsetzung an. "Zur Unterstützung und Pflege kann man auch online eine Menge machen", sagt Wilchfort. Eine tiefenpsychologische Therapie sei jedoch nur sehr begrenzt möglich. "Ich arbeite mit manchen Paaren über Skype, das hat Vor- und Nachteile", erklärt der Paartherapeut. "Per Mail haben die Leute zum Beispiel mehr Zeit zu antworten. Außerdem sprechen die Klienten im Vergleich zur realen Sitzung manchmal viel freier und trauen sich eher, Kritik zu äußern, weil sie weniger Angst vor der Wut des Partners haben."
  • Verbindend: Nicht unbedingt romantisch, dafür umso praktischer: In Zeiten, in denen nichteheliche Lebensgemeinschaften gesellschaftlich anerkannt sind, genügt vielen Paaren eine virtuelle Hochzeit, um ihre Beziehung - zumindest symbolisch - zu besiegeln. So können Trauzeugen auch dann teilnehmen, wenn sie im Ausland leben und die Gästeliste kann beliebig erweitert werden, ohne Kosten zu verursachen. In den USA haben sich bereits einige Soldaten virtuell trauen lassen, die in Kriegsgebieten stationiert waren und befürchteten, ihre Geliebte im Todesfall ohne Versorgung zurückzulassen. Inzwischen nutzen vor allem Menschen in Einwanderungsländern die Möglichkeit, Landsleute aus ihrer Heimat im Internet zu heiraten, um die Kosten einer Hochzeit im Ausland zu sparen. (Anfang März heiratete ein Paar per Skype über einen Chatservice - Punam Chowdhury ist US-Amerikanerin und lebt in New York, ihr Zukünftiger Tanvir Ahmmed in Bangladesch.)
  • Diskret: Soll eine Ehe geschieden werden, ist der virtuelle Weg nur bedingt zu empfehlen. Nämlich dann, wenn ein Paar sich einvernehmlich trennen möchte und sich ohne Streit über Unterhalt, Hausrat, Vermögen und Erziehungsrecht einigen kann, macht die Scheidung übers Internet Sinn. Auf speziellen Scheidungsportalen können die Ehepartner den Papierkram über Anwälte abwickeln lassen und sich das persönliche Erscheinen vor dem Familienrichter sparen. Für Rosenkrieger kommt eine virtuelle Scheidung nur bedingt in Frage: Wer sich wegen jeder Tasse die Köpfe einschlägt, muss zuerst die Fronten beim Anwalt klären. Erst, wenn das erledigt ist, lässt sich die Liebe auch virtuell - und endlich ohne lautstarke Szenen - stilecht begraben.
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