Beziehungen Kommunikation als Waffe

Ein berühmtes Beispiel für partnerschaftliche Kriegsführung und Psychoterror findet sich in einem Dialog zwischen dem Ehepaar Martha und George in dem Theaterstück "Wer hat Angst vor Virginia Woolf" wieder. Der Dramatiker Edward Albees demaskiert darin die bürgerliche Ehe als Ort erbarmungsloser Machtkämpfe:

Martha: "Auf der Party hast du dich gebogen vor Lachen." George: "Ich hab' mich nicht gebogen vor Lachen. Ich hab' geschmunzelt." Martha: "Du hast dich gebogen vor Lachen." George: "Es war ganz lustig..." Martha: "Es war irrsinnig komisch!" George (geduldig): "Ja, gut, es war sehr amüsant". Martha: "Du kotzt mich an!" George: "Was?" Martha: "Du... Du kotzt mich an." George: "Das war nicht sehr nett, Martha." Martha: "Das war nicht... was?" George: "... nicht sehr nett." Martha: "Mensch, bist du ein... Waschlappen! Du hast keinen Funken... keinen Funken ... na, was denn schon ...?!" George: ... "Mumm in den Knochen ...?" Martha: "Quatschkopf!" Stille. Dann lachen beide.

Man kann davon ausgehen, dass Martha und George solche Dialoge nicht halb so witzig fanden, wie sie taten. Doch offenbar war es das einzige Instrument, das sie kannten, um die gegenseitigen Erniedrigungen zu überspielen. Es entband sie von der Pflicht, ihre Gefühle zu offenbaren, und so richteten sie sich ein in einem zynischen Reigen aus Verletzung und Spott.

Partnerschaft Keine Trennung ohne Drama
Partnerschaft

Keine Trennung ohne Drama

Kleenex, Randale, kalter Entzug: Liebe ist ein Schlachtfeld am Rande des Wahnsinns. Berühmte Beispiele zeigen, wie man auseinandergehen sollte - und wie nicht.   Von Violetta Simon

Nicht selten holen sich die Beteiligten noch Publikum dazu. Dann wird der Konflikt in der Kneipe vor Freunden ausgetragen, die - zu unfreiwilligen Zeugen einer würdelosen Vorstellung auserkoren - peinlich berührt an die Decke starren. Sie fühlen sich missbraucht: als richterliche Instanz, als Konfliktlöser. "Das ist respektlos, nicht nur dem Partner gegenüber", sagt Bräu. Und ein deutliches Zeichen von Hilflosigkeit.

Mitunter kommt es sogar vor, dass Paare - gerade auf diese exponierte Art - streiten, um ein emotionales Vakuum zu überbrücken. "Wohl jeder kennt so ein Paar, bei dem man das Gefühl hat: Die können nicht mit-, aber auch nicht ohne einander", sagt Bräu. Nach dem Motto "lieber negative Gefühle als gar keine" beschwört man einen Konflikt herauf und provoziert den anderen in der Hoffnung, so mit ihm in Kontakt zu treten. "Manche brauchen die künstlich erzeugte Distanz auch, um anschließend wieder Nähe herzustellen, etwa durch den klassischen Versöhnungssex", sagt Paartherapeutin Bräu.

Und dann gibt es noch den Streit, der fast ohne Worte auskommt. Er nährt sich ausschließlich von Vorurteilen, Manipulation und Trotz. Szene aus einem Münchner Wohnzimmer: Er kommt spät von der Arbeit, die Kinder sind im Bett. In der Küche steht noch alles vom Abendessen herum, Sie sieht fern. Was er nicht sieht: Seine Frau hat gekocht, sich um die Kinder gekümmert und wollte in der nächsten Werbepause die Küche aufräumen. Also ruft sie ihm genau das entgegen. Weil sie weiß, dass ihn das Chaos nervt. Statt die Botschaft erfreut zur Kenntnis zu nehmen und sie zu begrüßen, stapft er auf direktem Weg in die Küche und beginnt genervt und mit demonstrativem Getöse, das Geschirr in die Spülmaschine zu räumen.

"Dieses Verhalten ist kindisch", sagt Paartherapeutin Bräu. "Es signalisiert 'Ich armes Opfer' und 'Du sollst hören, was Du mir angetan hast'." Ein schlechtes Gewissen löst er mit seinem ostentativen Herumfuhrwerken bei ihr nicht aus, im Gegenteil: Seine Frau fühlt sich genötigt. "Na toll, dann eben nicht", denkt sie, und lässt sich trotzig auf die Couch zurückfallen. Und ohne, dass ein einziges böses Wort fiel, ist der Abend für beide gelaufen.