Bevölkerungsentwicklung Ende des "alten Ehepaars"?

Am Ende werden sich die Veränderungen auch in den zwischenmenschlichen Beziehungen widerspiegeln: Heute gelten Beziehungen, die in Zeiten steigender Scheidungsraten tatsächlich noch ein Leben lang halten, als Liebesideal. Doch wird es in 50 Jahren noch alte Ehepaare geben? Dann, wenn all jene Generationen alt werden, die in Patchwork-Familien aufgewachsen sind und statt dem Mann oder der Frau fürs Leben verschiedene Lebensabschnittsgefährten hatten?

Bereits heute ist es nicht mehr ungewöhnlich, dass in der zweiten Lebenshälfte noch einmal eine neue Partnerschaft eingegangen wird. Vor allem verwitwete oder geschiedene Männer kommen einer Studie der niederländischen Soziologin Jenny de Jong Gierveld zufolge nur schwer alleine zurecht. Sie suchen erneut die Lebensstabilität einer festen Partnerschaft, wagen eher als Frauen noch einmal zu heiraten. Doch auch bei Frauen stellt Kirsten von Sydow, Autorin des Buchs "Die Lust auf Liebe bei älteren Menschen", zunehmend den Wunsch nach Zweisamkeit im Alter fest.

"Früher zogen sie sich regelrecht aufs Altenteil zurück, ganz im Gegensatz zu ihren männlichen Altersgenossen. Heute wünschen sich selbstverständlich auch Frauen ein erfülltes Liebesleben im Alter", konstatiert Sydow im Interview mit der Brigitte. Allerdings sind die aktuellen und kommenden Seniorinnengenerationen immer weniger bereit, ihre nach dem Tod des Partners oder einer Trennung gewonnene Unabhängigkeit wieder aufzugeben. Der Anteil älterer Paare, die getrennte Haushalte führen, steigt.