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Bevölkerung - Wiesbaden:Geburtenzahlen: Mehr als 60 000 Babys geboren

Wiesbaden (dpa/lhe) - So viele Kinder wie zuletzt vor mehr als 20 Jahren sind im vergangenen Jahr in Hessen geboren worden. 61 012 Babys haben 2018 das Licht der Welt erblickt, wie das Statistische Landesamt am Donnerstag mitteilte. Auch die durchschnittliche Kinderzahl der 15 bis 49 Jahre alten Frauen blieb mit 1,57 auf einem hohen Niveau. Damit setzt sich ein Trend der Vorjahre fort.

Schon in den Jahren 2016 (1,59) und 2017 (1,58) war demnach die durchschnittliche Kinderzahl relativ hoch. Vor zehn Jahren hatte sie noch 1,37 betragen. Seit Mitte der 70er Jahre - als die Geburtenraten erstmals unter 1,5 sanken - habe man in Deutschland vier Jahrzehnte lang Raten von 1,2 bis 1,4 gehabt, sagte Martin Bujard, Forschungsdirektor "Familie und Fertilität" am Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung in Wiesbaden.

Dass Frauen in den vergangenen Jahren in Deutschland und in Hessen im Schnitt mehr Kinder bekamen, habe verschiedene Gründe. Zum einen habe es in der Familienpolitik und bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie Fortschritte gegeben, sagte Bujard. Elterngeld, die ausgebaute Betreuung Unter-Dreijähriger und mehr Ganztagsangebote hätten positive Auswirkungen gehabt - gerade bei Akademikerinnen. Hinzu komme eine gute wirtschaftliche Entwicklung und niedrige Arbeitslosigkeit.

Auch die besten ökonomischen Rahmenbedingungen würden aber die Geburtenraten nicht über 2,0 steigen lassen. Denn die Gründung einer kinderreichen Familie sei auch eine kulturelle Frage, in Deutschland entschieden sich weit weniger Frauen für ein drittes Kind als etwa in Frankreich oder Skandinavien.

Für den Anstieg der Geburtenrate ist laut Bujard außerdem der gewachsene Anteil von Frauen mit Migrationshintergrund aus Entwicklungsländern und muslimisch geprägten Ländern verantwortlich. Deren durchschnittliche Kinderzahl sei mit mehr als zwei aber konstant geblieben.

Frauen bekämen immer später Kinder: In den 70er Jahren im Schnitt im Alter von 24, heute etwa mit 30. Der Trend zeige sich vor allem bei Akademikerinnen: Laut einer aktuellen Studie sind nur 44 Prozent der Frauen mit Studium an ihrem 35. Geburtstag Mutter. 31 Prozent bekommen danach ihr erstes Kind. 25 Prozent bleiben kinderlos - viele ungewollt. Ab 35 verkleinere sich das Zeitfenster für Schwangerschaften, der Arbeitsmarkt bestrafe aber eine Geburt in jüngeren Jahren. "Die Gesellschaft sollte zusehen, dass familienbedingte Auszeiten erleichtert werden und sich Paare dadurch leichter für Kinder entscheiden könnten", sagte Bujard.

Regional gab es nach den Angaben des Statistischen Landesamts große Unterschiede bei den Geburtenraten: Statistisch gesehen die meisten Kinder haben Frauen demnach im Kreis Darmstadt-Dieburg (1,74), die wenigsten im Kreis Marburg-Biedenkopf (1,34). Laut Bujard sind die Raten in den Städten üblicherweise niedriger als auf dem Land (Frankfurt: 1,42, Gießen: 1,45, Darmstadt: 1,51). Auffällig sei allerdings Wiesbaden, das mit 1,68 einen für eine Landeshauptstadt dieser Größe ungewöhnlich hohen Wert habe.

Die gestiegenen Geburtenraten machen sich auch in den Zahlen bemerkbar. 2013 hatte es noch 52 185 Neugeborene in Hessen gegeben, seitdem stieg die Kinderzahl um durchschnittlich 4,2 Prozent pro Jahr. Die meisten Kinder in Hessen kamen in den Sommermonaten zur Welt: Im Juli waren es 5570, im August 5534, im September 5557. Der geburtenschwächste Monat war der Februar mit 4522 Neugeborenen. Insgesamt lebten Ende vergangenen Jahres 6 265 809 Menschen im Land.