Besuch auf einer Babymesse:Hölle aller nervösen Eltern

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Babys

Vorsicht, dass die Babys nicht wegkrabbeln: Ein Holzgitter kann Leben retten, lernt man auf der Babymesse.

(Foto: dpa)

Das richtige Öl, das richtige Schlafsäckchen, das richtige Folsäure-Präparat - und alle Produkte, auf denen "Baby" draufsteht, kosten das Doppelte. Wer es wagt, an seinem Schatz zu sparen, ist selber schuld. Ein Besuch auf der "Babywelt"-Messe.

Von Katharina Riehl

An einem sonnigen Nachmittag in der ehemaligen Radsporthalle auf dem Münchner Olympiagelände klappt ein freundlicher Herr ein Holzgitter nach oben und nach unten, ein Gitter, von dem man schon bald erfahren wird, dass es Leben retten kann.

Das Holzgestell ist befestigt an einer hübschen und entsprechend kostspieligen Vollholzkommode, man kann es in dem Möbelstück versenken und bei Bedarf kann man es nach oben holen - und das sollte man auch. "Sie glauben ja gar nicht", sagt der freundliche Herr, "wie viele Kinder beim Sturz von der Wickelkommode verunglücken."

Die Hölle aller nervös gewordenen Eltern

Herr und Kommode stehen im zweiten Stock der "Babywelt", einer "Messe rund um Ihr Kind". Es ist, das muss man so deutlich sagen, die Hölle aller nervös gewordenen Eltern und supernervösen werdenden Eltern.

Insgesamt 160 Aussteller ziehen mit der Messe durchs Land, gerade waren sie in München, Anfang November sind die Muttis und Vatis der Hauptstadt im Visier. 160 Aussteller, die all den zahlreich herbeigeeilten jungen Paaren (sichtlich in Erwartung eines Kindes oder mit tütenbeladenen Kinderwägen) zeigen, was man für so ein Baby alles braucht. Es ist mehr, als man glaubt - viel mehr.

Es gibt "für jedes Alter das richtige Öl", das richtige Schlafsäckchen und die richtige Decke (im Design mal lausbubenfrech, mal minimalistisch), dazu einen Fotografen, der das Neugeborene in eine Stricksocke, ein Bastkörbchen oder auf Wunsch sicher auch in eine aufgeschnittene Gemüsehälfte legt. Am besten etwa zehn Tage nach der Geburt, lernt man, da werden die Bilder besonders schön.

Dazu ein heiteres Rahmenprogramm für Vater, Mutter, Kind mit singender Ente - "Eins! Zwei! Drei! Quak! Quak! Quak!" - und einem halben Dutzend Mütter, die sich ihre ratlos dreinschauenden Kleinkinder auf Bauch und Rücken schnallen, um derart bepackt dem geneigten Messebesucher einen Gruppentanz vorzuführen.

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