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Berliner Edelclub "Soho House":Du kommst hier nicht rein

Vor einem Jahr hat das lässige Soho House in Berlin eröffnet - wer dazugehören will, sollte beeindruckend unbeeindruckt sein. Um es mit den Worten der Insider zu sagen: die richtige "Soho-DNA" haben.

Die Spitze des Fernsehturms verschwindet in einer dunklen Wolke, in der Ferne leuchtet fahl der Potsdamer Platz. Gerade hat es zu tröpfeln begonnen, im achten Stock flüchten die Besucher von der Terrasse an die überdachte Bar. Nur der Mittzwanziger mit dem Dreitagebart geht in die Umkleide, zieht sein weißes Shirt und die Jeans aus, steigt in den Pool - und raucht erst mal eine. "Das ist cool", sagt Heide Prött. Und das wiederum ist bemerkenswert: Es gibt im Soho House tatsächlich noch Mitglieder, die andere Mitglieder beeindrucken.

pool soho house berlin

Der Pool auf der Dachterrasse des Soho House in Berlin - wer darin schwimmt, ist cooler als das Wasser. Und gehört dazu.

Denn eigentlich sind sie hier ja alle cool, zumindest aber kreativ, das ist schließlich das Konzept. Ein Stockwerk tiefer etwa spaziert Til Schweiger in die Lounge, und das beeindruckt keinen, jedenfalls lässt es sich keiner anmerken. Schweiger lässt sich in einen Sessel fallen, aber die Gäste unterhalten sich ungerührt weiter. Bei der letzten Berlinale hat Madonna vorbeigeschaut - angeglotzt wurde sie nicht. Glotzen passt hier nicht. Es wäre einfach nicht lässig.

Acht Stockwerke hoch ist das kühle Gebäude im Bauhausstil an der Torstraße Ecke Prenzlauer Allee, in dem in den fünfziger Jahren die SED regierte. Zwei schlichte Messingschilder an den weißen Säulen vor dem Eingang weisen aus, dass heute das Soho House Berlin darin residiert: ein Club nur für Mitglieder. Nein, nicht für Banker, über die schmunzeln sie hier. Auch nicht für Juristen, die sollen Steaks essen im Grill Royal. Das Soho, wie sie hier sagen, ist kein britischer Altherrenclub, in dem der Adel und die Bonzen in burgunderroten Ledersesseln Platz nehmen. Das Soho soll ein exklusiver Spielplatz sein für Musiker, Künstler, Gastronomen und natürlich für alle, die irgendwas mit Medien machen.

So wie Martin. Kurzes Haar, hohe Stirn. Das Durchschnittsalter hier ist 30, Martin ist erst 24. Trotzdem hat er schon eine Saftfirma hochgezogen, die einen Beauty-Nektar vertreibt. Jetzt sitzt er in der Lounge auf einem Sofa mit Blumenmuster. Es sieht ein bisschen retro aus, und ein bisschen nach unfertigem Berlin: Rechts steht die Bar, dahinter ein gelackter Flügel, an den Wänden schaut teils der nackte Beton durch. Im Raum befinden sich 200 Leute und ungefähr halb so viele Macbooks. An Martins Tisch sitzen Frauke, Projektmanagerin von Wolfgang Joop, Nina vom Marketing der Galeries Lafayette und Jutta, die PR-Frau vom Deutschen Symphonie Orchester Berlin. Genau so stellen sie sich das vor im Soho. "Hier vernetzen sich die Meinungsführer der Kreativbranche", sagt Heide Prött, die Sprecherin des Hauses. Martin sagt: "Das Soho ist unser Dorf."

Er hätte auch sagen können: Das Soho ist so etwas wie Facebook, bloß analog, exklusiver und mit Speisekarte. Es gäbe Tartar vom Gelbflossenthunfisch, aber Martin bestellt sich einen Cheeseburger mit Pommes. "Berlin ist so wahnsinnig groß, da verläuft sich alles", sagt er. "Hier sind alle auf einem Haufen." Und das hilft beim Geschäft: Würde er nicht etwa drei Mal die Woche ins Soho gehen, dann hätte vor kurzem bei der Fashion Week garantiert nicht bei einigen Veranstaltungen sein Saft herumgestanden.

Bei der Eröffnung vor gut einem Jahr machten vor allem Berliner Zeitungen das Konzept des Hauses lächerlich. Ein Privatclub für die selbsternannte Elite des Lifestyle, das kann nicht gutgehen, haben sie geschrieben. Nicht in der Partystadt, in der alle demokratisch feiern. Sie haben sich ein bisschen über die britische Einrichtung lustig gemacht, den Plüsch und die Blumenmuster, und darüber, dass man bei manchem Barkeeper nur auf Englisch bestellen kann. Berlin will mal wieder London und New York spielen, haben sie gelästert. Heute, so schwören sie jedenfalls an der Bar, stehen genau diese Journalisten auf der Warteliste, um auch so eine kleine, braune Mitgliedskarte zu bekommen.

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