Beginn des Ramadan: Tipps:Hungern, Beten, Helfen

Er ist eine der fünf Säulen des Islam: der Fastenmonat Ramadan. Auch die meisten Gläubigen in Deutschland versuchen, in dieser Zeit enthaltsam zu leben. Tipps für Muslime und Nicht-Muslime.

Matthias Drobinski

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Muslim men attend an evening prayer to mark the beginning of the holy fasting month of Ramadan, in Cairo

Quelle: REUTERS

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Er ist eine der fünf Säulen des Islam: der Fastenmonat Ramadan. Auch die meisten Gläubigen in Deutschland leben in dieser Zeit enthaltsam. Tipps für Muslime und Nicht-Muslime.

Der Glaube an Gott durchbricht den Alltag - das ist die Botschaft des islamischen Fastenmonats Ramadan, der in diesem Jahr am 1. August beginnt und am 29. August endet; er soll ein Monat des Verzichts, der Nächstenliebe und der guten Taten sein.

Fasten ist eine der Säulen des Islam (neben dem Glaubensbekenntnis, dem regelmäßigen Gebet, der Wallfahrt nach Mekka und dem Zakat, dem Almosen); entsprechend viele Muslime fasten im Ramadan, auch wenn sie übers Jahr hinweg nicht besonders fromm sind, so, wie es Christen gibt, die nur zu Weihnachten in die Kirche gehen, da aber besonders andächtig.

Text: Matthias Drobinski/ SZ vom 1.8.2011, Bildauswahl: Daniel Hofer

Im Bild: Muslime begrüßen in der Al-Azhar-Moschee in Kairo den Beginn des Fastenmonats Ramadan.

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79 Prozent der türkischstämmigen Muslime fasten in Deutschland zum Ramadan, das hat vor zwei Jahren eine Umfrage des Zentrums für Türkeistudien ergeben. Die Regeln sind streng: Von dem Moment an, wo er im Morgengrauen einen weißen von einem schwarzen Faden unterscheiden kann, soll der Gläubige nicht essen und nicht trinken, nicht rauchen und auch auf Sex verzichten, bis der Mond untergeht.

Dann bricht er mit dem Verzehr einer Dattel und einem Schluck Wasser das Fasten. Da der islamische Kalender anders geht als der christlich-westliche, wandert der Ramadan durchs Jahr, dieses und in den kommenden Jahren liegt er in den Sommermonaten. Das heißt: Das Fastengebot gilt 15 und mehr Stunden. Was gerade, wenn es heiß wird, eine Herausforderung für die Gläubigen und ihre Umgebung sein kann. Sieben Tipps zum Umgang mit dem Ramadan.

Im Bild: Auf einem Markt in Riad kaufen saudische Frauen am Vorabend des Ramadan-Beginns Datteln ein.

A Muslim man attends an evening prayer to mark the beginning of the holy fasting month of Ramadan, in Cairo

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Ramadan und die Religion

Im Fastenmonat werden die meisten Muslime fromm. Sie halten die Gebetszeiten ein und gehen häufiger in die Moschee, der Tag bekommt einen anderen Rhythmus, er endet mit einem Gemeinschaftserlebnis: dem Fastenbrechen in der Familie oder in der Moschee. Nicht-Muslime sollten dem mit Respekt und Toleranz begegnen. Seit Jahren ist es üblich, dass die Kirchen den muslimischen Verbänden zum Ramadan gratulieren, so, wie die Muslime den Christen frohe Weihnachten wünschen. Kann man ja auch mit dem Nachbarn und Kollegen machen.

Im Bild: Betende Muslime in Kairo.

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Ramadan und der Stress

29 Abendessen organisieren, beten, in die Moschee gehen, das alles durstig und mit leerem Magen - viele Muslime haben nicht weniger Stress im Fastenmonat als Christen im Advent. Da hilft bei allen Beteiligten: locker bleiben. Nicht alles auf den letzten Drücker besorgen. Über-Perfektionismus und Druck schaden allen Menschen, egal, was sie glauben.

Im Bild: Ein Schaufenster in Amman, Jordanien

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Ramadan und die Gesundheit

Im Prinzip ist Fasten gesund, für den Körper und für die Seele, es macht den Kopf frei. 15 Stunden ohne Trinken können aber zum Problem werden, gerade wenn es heiß ist. Am Nachmittag ermüdet der Fastende, kann Kopfweh bekommen. Die Ernährungsexperten raten: Nach Sonnenuntergang viel trinken, vor allem Wasser, wenig Kaffee oder Tee, das Wasser nicht zu kalt und über den ganzen Abend verteilt. Viel Obst und Gemüse essen, nicht zu viel Fleisch und Fett und Kohlehydrate. Morgens früh noch einmal viel trinken. Kinder vor der Pubertät, Schwangere, Alte, Kranke und auch Frauen mit Monatsblutung sind ohnehin vom Fasten ausgenommen, sie sollen auf das verzichten, was sie können, ohne sich zu gefährden.

Im Bild: Indonesische Männer ruhen sich in der Istiqlal-Moschee von Jakarta vor dem Gebet aus.

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Ramadan und der Beruf

Vor einem Jahr gab es einen merkwürdigen Streit: Zwei Profis des Fußball-Zweitligisten FSV Frankfurt fasteten im Ramadan - und erhielten eine Abmahnung von ihrem Verein. Der Zentralrat der Muslime einigte sich daraufhin mit der Deutschen Fußball-Liga und dem DFB: Profis müssen nicht fasten, niemand soll seinem Arbeitgeber durchs Fasten Schaden zufügen noch selber berufliche Nachteile erleiden, wenn er fastet. Das lässt sich auch auf andere Berufe übertragen. Die meisten Arbeitgeber tolerieren allerdings, wenn ihre Angestellten fasten. Das ist gut so. Und viele Muslime nehmen Urlaub im Fastenmonat.

Im Bild: Ein Arbeiter reinigt den Boden der Badshahi-Moschee im pakistanischen Lahore.

INDONESIANS FLOCK TO BEACHES NEAR JAKARTA AS EID AL-FITR CELEBRATIONS WIND DOWN

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Ramadan und der Sommer

Darf man baden gehen im Fastenmonat? Das wollten besorgte (und vielleicht auch etwas pingelige) Muslime in der Türkei wissen. Die Antwort eines Vertreters des Religionsministeriums: Ja, man darf, soll aber darauf achten, kein Wasser zu schlucken. Sonnenmilch ist erlaubt. Der allzu direkte Blick auf Bikinis und Badehosen verpönt (und vielleicht ist er auch außerhalb des Ramadans schlicht unfein).

Im Bild: Tausende Indonesier strömen am letzten Tag des Eid-al-Fitr-Fests an den Strand. Die Feierlichkeiten markieren das Ende der muslimischen Fastenzeit.

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Ramadan und gute Werke

Muslime sind im Fastenmonat besonders aufgerufen, gute Werke zu tun, soziale Projekte zu unterstützen (oft über muslimische Hilfsorganisationen). Könnte aber auch für Christen und Muslime eine Gelegenheit sein, sich gemeinsam etwas auszudenken.

Im Bild: Festliche Fensterdekoration in der Stadt Jenin, West Bank

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Ramadan und die Geselligkeit

Von Muslimen zum Fastenbrechen eingeladen zu werden, ist eine große Ehre und in der Regel die Gelegenheit, einen schönen Abend mit herzlichen Gastgebern zu verbringen. Familien und Moscheegemeinden laden ein, aber auch immer häufiger Institutionen wie zum Beispiel das amerikanische Generalkonsulat. Die islamischen Verbände haben dieses Jahr den Fastenmonat unter das Motto "Nachbarschaft" gestellt. Wer also hier eingeladen wird, der sollte auch annehmen, wenn möglich.

Im Bild: In Dhaka sitzen junge Bangladescher zusammen und warten auf den Sonnenuntergang und das gemeinsame Fastenbrechen.

© sueddeutsche.de/SZ vom 1.8.2011/leja/luk
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