Familien-NewsletterMehr als nur eine gesperrte Rolltreppe

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Hier geht es nicht weiter, zumindest für Menschen, die nicht einfach die Treppe nehmen können. Für Rollstuhlfahrer heißt das, dass sie gleich wieder umdrehen müssen.
Hier geht es nicht weiter, zumindest für Menschen, die nicht einfach die Treppe nehmen können. Für Rollstuhlfahrer heißt das, dass sie gleich wieder umdrehen müssen. Isabell Scheuplein/dpa

Unsere Autorin hat recherchiert, dass es nicht nur im Alltag mit Kinderwagen unüberwindbare Hürden gibt, sondern auch im Digitalen. Über ein Problem, das oft übersehen wird.

Ein Familien-Newsletter von Marie-Louise Timcke

Dieser Text stammt aus dem Familien-Newsletter der „Süddeutschen Zeitung“, der jeden Freitagabend verschickt wird. Hier können Sie ihn abonnieren.

Liebe Leserin, lieber Leser,

vor ein paar Tagen stand ich mit dem Kinderwagen inklusive schlafendem Kleinkind vor einer Treppe, die mir vorkam wie die Alpen. Der Aufzug war kaputt, keine Rolltreppe weit und breit, keine Rampe in Sicht. Und jetzt? Seit ich Mutter bin, sehe ich die Welt anders – auf Buggyhöhe. Bordsteine, kaputte Aufzüge, enge Türen: Dinge, die mir früher nie auffielen, werden mit Kinderwagen täglich zu Hindernissen.

Und jedes Mal, wenn ich ewig auf einen miefigen Aufzug warte, den Wagen mühsam die Stufen hinauf hieve oder einen riesigen Umweg gehen muss, denke ich: Wie frustrierend muss das erst für Menschen sein, die jeden Tag auf solche Barrieren stoßen – weil sie im Rollstuhl sitzen, ein steifes Bein haben oder im Alter einfach nicht mehr so beweglich sind?

Was mir bisher allerdings entgangen war: Im Digitalen ist es ganz ähnlich. Auch im Netz gibt es Hürden, die viele gar nicht bemerken – für andere aber unüberwindbar sind. Das wurde mir erst durch eine Recherche mit meiner Kollegin Nathalie Sablowski klar (SZ Plus). Mithilfe einer Software haben wir mehr als 10 000 Webseiten geprüft. Das Ergebnis: 95 Prozent enthielten vermeidbare Hürden, obwohl Barrierefreiheit gesetzlich vorgeschrieben ist. Kein böser Wille, sagen Fachleute, eher Gedankenlosigkeit. Barrierefreiheit werde oft nachträglich auf die Webseiten „draufgeklebt“ – und funktioniert dann nur halb.

Unser Text erzählt von Technik und Empathie, von den unscheinbaren Hürden, an denen früher oder später alle scheitern können: wenn die Augen schlechter werden, die Hände zittern –
oder wenn man ein Kind auf dem Arm hat und nur eine Hand frei bleibt. Ein barrierefreies Internet käme am Ende allen zugute.

Genauso wie der Bordstein, der flach genug ist, dass Kinder, Eltern, Rollstuhlfahrerinnen und Lieferboten gleichermaßen drüber kommen. Oder, wenn man so will: Wie eine Gesellschaft, die sich bemüht, niemanden außen vorzulassen. Bevor ich übrigens entscheiden musste, ob ich den Kinderwagen rückwärts die Treppenstufen hochziehe oder lieber gleich den Rückweg antrete, kam mir ein freundlicher Mann zu Hilfe und wir trugen den Wagen gemeinsam hoch.

Ein schönes, möglichst barrierefreies Wochenende wünscht

Marie-Louise Timcke

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