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Babys in Frankreich:Es wird "schwierig sein, die Ursache zu finden"

Die Leiterin der Expertenkommission, die Professorin für Gynäkologie Alexandra Benachi, stellt fest: "Statistisch und wissenschaftlich wird es sehr schwierig sein, die Ursache zu finden." Die betroffenen Mütter der Babys hatten während der Schwangerschaft weder Drogen noch Alkohol oder Medikamente konsumiert. Auch genetische Erkrankungen wurden nicht festgestellt.

Emmanuelle Amar, Chefin des Fehlbildungsregisters Remera, dem auch Laissy ihren Fall meldete, hat Verständnis für den Unmut der betroffenen Familien. Statistische Werte würden den Betroffenen aktuell nicht weiterhelfen, es gehe nicht darum, "Schuldige zu finden, sondern zu verstehen, was passiert", sagte sie dem Sender France Info. Amar war diejenige, die für das Département Ain Alarm schlug und auf die lokale Häufung von Fehlbildungen hinwies. Sie hatte in früheren Interviews Pestizide aus der Landwirtschaft, Giftmüll oder Probleme bei der Trinkwasserversorgung als mögliche Ursachen genannt, die weiter untersucht werden müssten.

Angeborene Anomalien werden nicht überall gut erfasst

Europaweit werden etwa zwei bis drei Prozent aller Babys mit einer Fehlbildung geboren. Bei etwa einem Drittel diagnostizieren Ärzte eine genetische Ursache. In bis zu zehn Prozent aller Fälle können sie Umweltfaktoren identifizieren. Dazu zählen Medikamente wie das Schlafmittel Contergan, das für Anomalien bei Tausenden Kindern in den 1950er- und 1960er-Jahren verantwortlich gemacht wird. Auch Drogen wie Alkohol und Kokain, manche Chemikalien und Strahlung können die Entwicklung des Ungeborenen stören. Es ist zudem bekannt, dass einige Infektionen während der Schwangerschaft - beispielsweise mit dem Zikavirus - das Kind schädigen können. Doch in jedem zweiten Fall können die Ärzte keine Ursache für die Fehlbildung benennen.

Dazu trägt auch bei, dass angeborene Anomalien nicht überall gut erfasst werden. In Frankreich gibt es sechs Fehlbildungsregister, die etwa 20 Prozent des Landes abdecken. In Deutschland sind es nur zwei, im Raum Mainz und in Sachsen-Anhalt. Nicht alle Einrichtungen erstellen ihre Statistiken nach denselben Kriterien. Ein Vergleich ist damit schwierig - und macht es noch wahrscheinlicher, dass Eltern allein bleiben mit der Frage: Warum?

© SZ vom 22.08.2019/mkoh
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