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Aus für Mark Darcy bei "Bridget Jones":Nicht von dieser Welt

Mark Darcy - schön mit und ohne Rentierpullover.

(Foto: Imago Stock&People)

Mark Darcy war ein britischer Bilderbuch-Gentleman. Jetzt ist er tot - zumindest im Buch. Der dritte Teil des erfolgreich verfilmten Romans "Bridget Jones" von Helen Fielding lässt den Traummann sterben. Was nicht weiter verwundern sollte. Er war einfach zu perfekt.

Als Bridget Jones (verkatert) und Mark Darcy (im Pullover mit Rentiermotiv) sich an einem verschneiten Neujahrsmorgen auf einem Familienfest zwischen Mini-Gewürzgurken und Punsch kennenlernen, ist es nicht gerade Liebe auf den ersten Blick. Von ihrer Mutter wird Bridget dem Londoner Anwalt Darcy folgendermaßen vorgestellt: "Mark, das ist Bridget, sie hat früher nackt auf eurem Rasen gespielt." Nach einer Unterhaltung mit Bridget sagt Mark zu seiner Mutter: "Ich brauche kein Blinddate, besonders nicht mit einer verbal inkontentinen alten Jungfer, die säuft wie ein Loch, raucht wie ein Schlot und sich anzieht wie ihre Mutter."

Dennoch: Für den versnobten Anwalt mit dem sprichwörtlichen Stock im Allerwertesten und die chaotische Journalistin Bridget Jones gibt es in Buch und Film ein Happy-End inklusive Hochzeit und zwei Kindern. Jetzt, 13 Jahre danach, hat Autorin Helen Fielding ein drittes Buch geschrieben - und lässt Mark Darcy sterben. Die Empörung unter den Fans ist groß. Doch Hand aufs Herz: Mark Darcy, der als Langweiler in die Romanhandlung eingeführt wurde und später zum Traummann avancierte, war für einen ernstgemeinten Helden einfach zu perfekt. Die Gründe.

1. Mark Darcy faltet seine Unterhosen

Fein säuberlich gefaltet liegen sie da. Weiß-blau gestreifte Männerboxershorts. Bridget schaut verzückt auf die Unterwäsche, dann schweift ihr Blick auf die anderen sorgfältig drapierten Kleidungsstücke und noch ein Stück weiter auf ihren schlafenden Freund. Sie selbst kommt gerade aus dem Bad, wo sie am Fenster heimlich geraucht hat. Männer, die in einer so frühen Phase der Beziehung, in der der Himmel voller Geigen hängt und das Paar die meiste Zeit im Bett verbringt, ihre Unterhosen falten, bevor sie zu ihrer Holden in die Kissen springen, sind ... nicht real.

Im echten Leben: Männer, die ihre Unterhosen falten, bevor sie in die Kissen springen, sind mit Vorsicht zu genießen. Ein Frühstück im Bett wird wohl nie drin sein (zu viele Krümel), ebenso wie der Campingtrip an die Algarve (zu viel Sand, und erst die ganzen Kriechtiere). Außerdem überwacht Mutti auch jede andere Tätigkeit ihres Sohnemanns - und schwupps ist sie schon ins Nachbarhaus gezogen, um die Wäsche der ganzen Familie zu bügeln. Inklusive Unterwäsche und Geschirrtüchern.

2. Mark Darcy ist viel zu nett

Dieser Mann bekommt also eine Abfuhr, die sich gewaschen hat. Und was macht er? Nichts, nur traurig schauen. Kurz zuvor hat er sich mit seinem ärgsten Widersacher Daniel Cleaver (Bridgets Ex-Chef und Teilzeit-Lover) in Glasscherben liegend geprügelt. Doch statt ihn, den Helden, zu würdigen, kümmert sich seine Herzensdame lieber um den am Boden jammernden Daniel. Szenenwechsel: Bridget Jones sitzt im Gefängnis in Thailand. Es hatte es einen kleinen Zwischenfall am Flughafen mit kiloweise Kokain gegeben. Versteckt war der Stoff in einer töneren Schlange, die Bridget und ihre Freundin Shazzer nichtsahnend als Andenken von einer Urlaubsbekanntschaft bekommen hatten. Vor dem Urlaub hatten sich Mark und Bridget getrennt. Durch ein Missverständnis glaubt Mark, dass Bridget und Daniel einen heißen Thailand-Urlaub zusammen verbracht haben, mit viel Alkohol und noch mehr Sex. Was macht der vermeintlich Gehörnte? Natürlich, er fliegt Zehntausende Meilen und besucht sie im Gefängnis. Er kontaktiert Botschafter auf der ganzen Welt, unterstützt Interpol bei ihrer Suche nach dem Mann, der Bridget und Shazzer die Drogen-Schlange gegeben hat - und setzt sich an höchster Stelle für ihre Entlassung ein. Nur um dann später so zu tun, als sei er an der ganzen Sachen nur am Rande beteiligt gewesen.

Im echten Leben: Im besten Fall hätte er für seine Ex eine Rechtsschutzversicherung abgeschlossen und das Rückflugticket nach Hause bezahlt - im schlechteren Fall sie ein paar Wochen schmoren lassen und eine Postkarte geschrieben.

3. Mark Darcy ist so selbstkritisch

Der Mann ist nicht nur Schwiegermutter-Traum, sondern auch noch perfekter englischer Gentleman in Personalunion. Anstatt in Amerika einen neuen Job anzutreten, eilt er zu Bridgets Londoner Wohnung. Im Schneetreiben. In einem langen dunklen Mantel. Unbeirrt gesteht er ihr seine Liebe. Bridget, die noch schnell vor dem romantischen Teil der Szene ihren praktischen Schlüpfer gegen einen zarten Seidenslip tauschen möchte, lässt ihn in ihrem Wohnzimmer warten. Wo ihr aufgeschlagenes Tagebuch liegt. Darin stehen allerlei Beschimpfungen über Mark, in dicker Krakelschrift hat sie "Er ist ein Arschloch" hineingekritzelt. Mark verlässt die Wohnung. Der Zuschauer sieht ihn durch den Schnee stapfen. Bridget, die mittlerweile gemerkt hat, dass Mark nicht mehr im Wohnzimmer ist, rennt ihm zu den Klängen von "Ain't no mountain high enough" hinterher - nur mit einer Tigerprint-Unterhose, Laufschuhen und einer Strickjacke bekleidet. Die beiden treffen aufeinander, als er aus einem Laden kommt, in dem er ein Buch gekauft hat. Ein neues Tagebuch für Bridget. Für einen Neuanfang. Er ist nicht etwa sauer über die seitenlangen wüsten Beschimpfungen. Nein, da steht er drüber. Nur ein Beispiel für seine stoische Geduld mit Bridget und ihren Launen. Andere Beispiele gab es viele: Sie wirft ihm vor, sie beim Anwaltsdinner nicht gut behandelt zu haben - er hinterfragt sein Verhalten. Sie kritisiert die Länge seiner Koteletten - er schaut kritisch in den Spiegel ... und so weiter und so fort.

Im echten Leben: Säßen Bridget und Mark bei einem Paartherapeuten, um den Hass und die Beschimpfungen aufzuarbeiten.

4. Mark Darcy ist so romantisch:

"I like you very much. Just as you are", sagt Mark zu Bridget nach einem Dinner und bringt sie dadurch völlig aus dem Konzept. "Nicht dünner, erfolgreicher oder mit größeren Brüsten?", fragen ihre Freunde ungläubig, als Bridget von dem Geständnis erzählt. Nein, er mag sie so, wie sie ist. Obwohl sie "eine verbal inkontinente Jungfer ist, die raucht wie Schlot, säuft wie ein Loch und sich anzieht wie ihre Mutter". Er tritt einen tollen Job in einer noch tolleren Kanzlei in Amerika nicht an, um mit Bridget zusammen zu sein. "Nette Jungs küssen eigentlich nicht so", sagt Bridget, als er ihr eine leidenschaftliche Liebeserklärung macht. "Oh doch, das tun sie", antwortet er lapidar. Als Bridget am Ende des zweiten Teils erkennt, dass allein Mark für ihre Freilassung aus dem Gefängnis verantwortlich ist, eilt sie in sein Büro. "Ich liebe dich, ich habe dich immer geliebt und ich werde dich immer lieben" - mit diesen Worten platzt sie, völlig durchnässt, in eine Besprechung mit hohen Staatsgästen. Draußen vor der Tür macht er ihr einen Heiratsantrag. Den sie natürlich torpediert, indem sie sich zuvor darüber lustig gemacht hat, dass er ihr jetzt bitte keinen Heiratsantrag machen solle. Doch Mark lässt sich dadurch von seinem Vorhaben nicht abbringen...

Im echten Leben: Er würde Bridget überreden, mit ihm nach Amerika zu gehen, um ihm dort seinen Haushalt zu führen. Bis er sich wieder traut, ihr einen Heiratsantrag zu machen, vergehen Wochen, wenn nicht Monate.

Fazit: Treibt Helen Fielding ihre Romanheldin schlussendlich zurück in die Arme von Hallodri Daniel Cleaver? Stirbt Mark Darcy den Heldentod, um den Weg frei zu machen für die Geschichte von dem Frauenhelden Daniel, der erst in seinen Fünfzigern erkennt, dass Bridget die wahre, die einzige Liebe seines Lebens ist? Das wäre allerdings noch unrealistischer. Oder genießt Bridget ihr Leben als twitternde 51-Jährige mit einem 20 Jahre jüngeren Toyboy? Am 10. Oktober wissen wir mehr.

© Süddeutsche.de/leja/rus
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