Widersprüchliche Aufklärung Was Jungs alles über Sex erfahren

Die Informationen, die Jungen über Sexualität bekommen, sind extrem widersprüchlich. Eine amerikanische Studie zeigt: Eltern warnen vor Risiken - ganz anders als Freunde.

Von Tina Baier

Eltern klären ihre Söhne eher über Risiken wie Aids, Geschlechtskrankheiten oder ungewollte Schwangerschaft auf. Freunde und Medien ermuntern dagegen dazu, möglichst viele sexuelle Kontakte ohne feste Beziehung zu haben (Journal of Youth and Adolescence; Online-Ausgabe).

Unterschiedliche Welten: Vater, Sohn und das drängende Thema Sex in "American Pie 2".

(Foto: Foto: Reuters)

Die Psychologinnen Marina Epstein und Monique Ward von der University of Michigan befragten 286 amerikanische Studenten im Alter zwischen 18 und 24 Jahren, wer den größten Einfluss auf ihre Sexualerziehung hatte und mit wem sie als Teenager welche Aspekte besprochen haben.

Dabei zeigte sich, dass die jungen Männer von ihren Eltern weniger über Sexualität erfuhren als von Freunden oder aus den Medien. Ein Viertel der Studienteilnehmer berichtete, mit Vater und Mutter überhaupt nicht über Sexualität gesprochen zu haben. Eltern, für die das Thema nicht tabu war, vermittelten am häufigsten die Botschaft: ,,Wenn Du Sex hast, benutze ein Kondom.''

Weiterer Forschungsbedarf

Bereits die zweithäufigste Botschaft war: ,,Du solltest keinen Sex haben, bevor du verheiratet bist.'' Allerdings gab es in verschiedenen ethnischen Gruppen deutliche Unterschiede: So sprechen junge Amerikaner afrikanischer Abstammung mit ihren Eltern deutlich häufiger über Sexualität als Jungen aus weißen und asiatischen Familien.

Über die Bedeutung von Liebe für sexuelle Beziehungen sprachen junge Asiaten im Vergleich zu Teenagern aus anderen ethnischen Gruppen am wenigsten mit ihren Eltern. Jungen schwarzen Männern wurde von den Eltern am häufigsten zu sexueller Abstinenz geraten.

Mit Freunden tauschten sich alle jungen Männer am meisten über persönliche Erlebnisse mit Frauen aus, wobei es vor allem darum ging, wer mit wem wie oft geschlafen hat. An zweiter Stelle der Kommunikation mit Freunden standen Aussagen wie: ,,Sex ist das tollste Gefühl der Welt'' und ,,Schlafe mit so vielen Frauen wie möglich''.

Die Botschaften, die von den Medien ausgingen, entsprachen in etwa denen der Freunde. Am häufigsten wird den Angaben der Probanden zufolge vermittelt: ,,Sex ist jederzeit und überall gut''. Die Psychologinnen wollen als nächstes untersuchen, wie junge Männer mit diesen widersprüchlichen Botschaften umgehen und welche der Ratschläge den stärksten Einfluss auf sie haben.