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Anruf bei einer Krimskramshasserin:"Das alles ist eine riesige Verschwendung"

Slime, Stinksticker, Skelettstift: Skye mit quatschigen Plastikkram.

(Foto: privat)

Skye Neville, 10, ärgerte sich über Plastikspielzeug in Zeitschriften. Dann hat sie angefangen, Protestbriefe zu schreiben. Und damit schon einiges erreicht.

Interview: Hannah weber

Skye, du hast einen Brief an den Verlag deiner Lieblingszeitschriften geschrieben und dich beschwert. Warum?

Ich lese die Zeitschriften gerne, aber der Plastikkram nervt. In einer Zeitung war zum Beispiel eine Glibber-Zunge, die ist echt eklig, es klebt jede Menge Staub dran und ich weiß nicht, was man damit machen soll. Das alles ist einfach eine riesige Verschwendung: Die Dinger werden in China aus Plastik hergestellt, dann in Plastik verpackt und in alle Welt verschifft, um dann wieder verpackt und in Supermärkten an Kinder verkauft zu werden. Am Ende landen sie in der Tonne. Als irgendwann der zweite Stift in Knochenform bei mir im Briefkasten lag, dachte ich: Jetzt reicht es mit dem Müll!

Wie hat der Verlag reagiert?

Die Antwort von dem Verlag war totaler Mist. Sie meinten, die Umwelt wäre ihnen wichtig und dass Kinder die Spielzeuge eben toll fänden. Verändert haben sie aber nichts, obwohl ich ihnen Vorschläge für umweltfreundlichere Materialien gemacht habe. Deshalb habe ich eine Petition gestartet. Damit möchte ich zeigen, dass nicht nur ich denke, dass dieses Spielzeug unnötig ist. Nachdem ich im Radio zu hören war, hat eine Supermarktkette angekündigt, dass sie keine Magazine mit Plastikspielzeug mehr verkaufen will.

Was hat dich bei deinem Protest bisher am meisten überrascht?

Dass das Thema und meine Meinung die Verlage einfach nicht interessiert. Da sind lauter Erwachsene, die mir versuchen zu erklären, dass Kinder gern mit diesem Schwachsinn spielen. Aber mir, dem Kind, hören sie nicht zu. Überrascht hat mich aber auch, wie schnell meine Petition für Aufmerksamkeit gesorgt hat. An einem Sonntag bin ich aufgewacht, da hatte sie 8500 Unterschriften. Am Abend waren es dann schon 50 000, weil im Fernsehen über den Protest berichtet wurde.

Manche finden die kleinen Spielzeuge ja aber tatsächlich toll ...

Die würde ich fragen: Wie oft spielst du tatsächlich mit diesem Gummi-Gebiss? Macht dir das wirklich Spaß? Und: Denk an die Zukunft! Willst du in einer Welt leben, in der man in Plastik versinkt?

Hast du Tipps für Kinder, die auch einen Protest starten möchten?

Wenn man ein Problem in der Welt sieht, dann lohnt es sich, für Veränderung zu kämpfen. Es gibt viele Wege, wie man etwas verändern kann. Wenn du zum Beispiel etwas gegen Plastik in deiner Schul-Cafeteria tun willst, könntest du dir als Erstes Mitstreiter und Mitstreiterinnen suchen, die deiner Meinung sind. Je mehr Leute, desto besser. Dann könnt ihr mit Lehrern und Lehrerinnen sprechen, Erwachsene an Bord zu haben ist immer gut. Und dann kann man sich bei der Schulleitung melden und sagen: Schaut mal, all diese Menschen wollen etwas verändern: Hilfst du uns? Dabei muss man hartnäckig bleiben, beim ersten Mal klappt es meistens nicht, da darf man nicht traurig sein. Man muss einfach mehr nerven - irgendwann geben sich die meisten doch geschlagen. Weil sie ja oft selbst wissen, dass es richtig ist.

© SZ vom 15.05.2021
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