Alltag :Vater, Mutter, Kind?

Familie kann heute so viel mehr sein. Fünf Kinder erzählen. Von zwei Vätern, von keinem Vater, von einer Mutter, von vielen Kindern, von seltenen ziemlich komischen Situationen und vielen ganz normalen Momenten.

Protokolle: Hannah Weber

Alltag : Illustration: Andres Muñoz Claros

Illustration: Andres Muñoz Claros

Jonas, 8

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(Foto: privat)

"Meine Familie ist eine Regenbogenfamilie. So nennt man es, wenn es statt Mama und Papa zum Beispiel zwei Papas gibt. Wir sind zu viert: Papa, Papi, meine kleine Schwester und ich. Zwei Papas können eigentlich keine Kinder kriegen. Genau genommen habe ich also schon eine Mama, die kenne ich nur nicht, weil ich adoptiert wurde, als ich noch ein Baby war. Sonst ist bei uns viel so wie bei anderen Familien: Papa arbeitet tagsüber und Papi kümmert sich mittags um uns, spielt mit uns und sagt, dass wir unsere Zimmer aufräumen sollen. Am Wochenende gehen wir gern wandern und mit Papa spiele ich gern Tennis. Für meine Freunde ist es ganz normal, dass ich zwei Papas habe. Nur im Supermarkt gucken die Leute manchmal doof, wenn meine Schwester Papi 'Mami' ruft. Aber Papi fühlt sich für uns halt nach Mami an."

Patricia, 9

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(Foto: privat)

"Mein Papa ist leider vor ein paar Jahren an einem Hirntumor gestorben, zur Familie gehört er aber natürlich trotzdem noch. Besonders traurig macht es mich, wenn ich andere Kinder mit ihrem Papa sehe. Dann wünsche ich mir, dass ich ihn wieder herzaubern könnte. Zum Trösten hilft es mir dann am meisten, was Schönes zu machen und mich abzulenken. Zum Beispiel mache ich gern Radtouren mit meinen Geschwistern oder kuschle mit meinen Kaninchen. Es macht mich zwar traurig an Papa zu denken, es ist aber auch schön über ihn zu sprechen und Bilder anzuschauen. Seit Papa gestorben ist, muss Mama umso mehr machen - deshalb haben wir einen Haushaltsplan und jeder packt mit an. Ich glaube, dass wir als Familie besonders gut zusammenhalten."

Louis, 8 & Levi, 9

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(Foto: privat)

"Bei uns ist immer was los! Insgesamt sind wir zu acht: Mama, Papa und sechs Kinder. Unsere kleinste Schwester Pamela ist noch ein Baby, unser großer Bruder Munir ist schon 18 Jahre alt. Er ist vor ein paar Jahren zu uns gezogen. Eigentlich kommt er aus Afghanistan. Aber weil es dort im Krieg zu gefährlich war, haben wir ihn hier bei uns aufgenommen. Das war am Anfang komisch, wir kannten ihn ja gar nicht. Jetzt ist er aber Teil von uns und ein ganz normaler großer Bruder. Besonders toll am Leben in einer Großfamilie ist, dass es immer jemanden gibt, der mit einem spielt. Und wenn man mal Hilfe braucht, ist auch immer jemand da. Es kann aber auch nervig sein, wenn man Hausaufgaben machen muss und immer Krach ist. Dagegen haben wir extra Ohrenschützer."

Finn, 12

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(Foto: privat)

"Als ich zwei Jahre alt war, haben sich meine Eltern getrennt. Seitdem wohne ich immer eine Woche bei Mama und eine Woche bei Papa. Jeden Freitag nach der Schule ziehe ich um. Dafür muss ich meine Tasche packen: alle Schulsachen, meine Lieblingsklamotten, mein Skateboard, meine Musikbox. Den Rest habe ich doppelt. Wenn ich bei Mama bin, unternehme ich viel draußen mit Freunden, bei Papa stehen Skate-Rampe und Trampolin im Garten. Am allerliebsten hätte ich Eltern, die zusammenleben wollen. Dann müsste ich nicht dauernd umziehen. Das einzig Gute ist, dass ich zweimal Weihnachten und Ostern feiere und auch oft doppelt Urlaub mache. Nur meinen Geburtstag, den feiern wir alle zusammen. Das soll auch so bleiben, ist ja mein Geburtstag."

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