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Aktuell:Wahlwiederholung

Bei Kniffel verloren? Ein Tor verschossen? Manche Ergebnisse passen einem nicht und lassen sich trotzdem nicht ändern. Der türkische Präsident versucht genau das jetzt.

Topfschlagen mal anders: Menschen protestieren in Istanbul gegen die Wahlwiederholung.

(Foto: Yasin Akgul/AFP)
Mayor of Istanbul Imamoglu of the main opposition CHP addresses his supporters during a rally in Istanbul

Vor knapp sechs Wochen gewann Ekrem Imamoğlu die Wahl zum Oberbürgermeister.

(Foto: Murad Sezer/Reuters)

Istanbul ist die größte Stadt der Türkei, dort leben etwa 15 Millionen Menschen. 10,5 davon sind alt genug, um zu wählen. Bei der Oberbürgermeisterwahl in Istanbul haben viele ihre Stimme einem Mann der Opposition gegeben, also einem Gegner von Präsident Recep Tayyip Erdoğan. Es war ganz knapp, aber am Ende hat Ekrem İmamoğlu mit einem Vorsprung von 14 000 Stimmen gewonnen. Das war eine Sensation, denn mehr als 20 Jahre lang haben nur politische Freunde von Erdoğan die Stadt regiert. Deshalb wollte Erdoğan das Wahlergebnis auch nicht akzeptieren. Er suchte nach Fehlern bei der Wahl und warf der Opposition vor, sie habe "betrogen". Damit setzte der Präsident, der mächtigste Mann der Türkei, die Wahlaufseher unter Druck. Die sollen eigentlich unabhängig sein. Aber sie haben nachgegeben und am Montag entschieden, dass ganz Istanbul noch einmal wählen muss. Darüber waren viele Menschen in der Stadt am Bosporus so wütend, dass sie Pfannen und Töpfe aus den Schränken geholt haben, sich ans Fenster stellten und auf die Töpfe schlugen. In vielen Straßen hat man das gehört: ein lautes Konzert des Protests. Viele sagen jetzt, die Demokratie in der Türkei sei beschädigt, und man könne die Wahlen gleich boykottieren. Aber der Oppositionsmann İmamoğlu sagt zu den Istanbulern: Geht wieder wählen, alle! Und wählt mich! Er glaubt, dass er auch die zweite Wahl am 23. Juni gewinnen kann. Passiert dies, hätte sich Erdoğan verrechnet - und İmamoğlu wäre ein Held.