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Aktuell:Rucksack mit Pommes

Mateo, 10, feiert Heiligabend jedes Jahr gemeinsam mit vielen anderen. Menschen, die einsam sind oder keine Wohnung haben oder Weihnachten mal ganz anders feiern wollen. Mit dabei: eine Handvoll seiner Kumpels.

"Ein normaler Heiligabend beginnt bei uns damit, dass meine Mutter eine Rede hält. Sie sagt dann immer: 'Schön, dass so viele gekommen sind' und bedankt sich bei allen, die mitgeholfen haben. Und dann eröffnet sie das Buffet. Wir feiern Weihnachten nämlich nicht zu Hause als Familie, sondern im Pfarrsaal - zusammen mit ganz vielen Menschen. Mit alten Leuten, die keine Verwandten mehr haben und sonst alleine wären. Mit Menschen, die auf der Straße leben und sich kein Essen und keine Geschenke leisten können. Manche kommen, weil sie mal ganz anders feiern wollen.

Jeder darf kommen. Essen und Geschenke sind kostenlos.

(Foto: Luise Aedtner)

Seit fünf Jahren organisiert meine Mama dieses Weihnachtsessen. Sie sagt immer, dass es bei diesem Fest um die Nächstenliebe geht und alles andere nicht wichtig ist. Niemand, sagt sie, soll am 24. alleine sein. Im ersten Jahr fanden wir ihre Idee ganz schön blöd. Wir wollten auch einen Baum im Wohnzimmer und einen Haufen Geschenke, wie alle anderen. Mittlerweile freuen wir uns auf den Weihnachtsabend. Viele unserer Freunde kommen inzwischen dorthin. Manchmal fahren wir mit einem kleinen Servierwagen durch die Gänge und verteilen Schokolade. Das macht Spaß. Beim Essen selbst bleiben wir nicht lang am Tisch sitzen. Wir rennen dann im Saal herum oder spielen Verstecken.

Mateo, 10, mag am liebsten Schnitzel mit Ketchup. Und Versteckspielen. Was er nicht so mag: Gewürzketchup und beim Essen lange sitzen bleiben.

(Foto: Hauke Seyfarth)

Ich glaube, dieses Essen zu organisieren, ist viel Arbeit. Die Tage und Wochen vorher rennt meine Mama durch die Gegend, telefoniert viel und ist dauernd im Internet. Da schreibt sie dann rein, was noch gebraucht wird.

Alle, die beim Adventsessen mithelfen, sind Ehrenamtliche. Das heißt, sie bekommen kein Geld und machen das in ihrer Freizeit. Die Geschenke, die Dekoration, das Geschirr und alles andere sind gespendet oder geliehen. Das Essen ist gerettet. So nennt es meine Mama, wenn sie Lebensmittel abholt, die ansonsten im Müll gelandet wären. Das macht sie das ganze Jahr, deswegen kocht sie oft komische Sachen. Für das Weihnachtsessen retten sie und die anderen Helfer extra viel Essen. Was genau es geben wird, weiß man deswegen nie vorher. Für mich ist das blöd, denn ich mag am liebsten Schnitzel mit Pommes und Ketchup, und das gibt es nicht immer. In einem Jahr gab es zum Beispiel nur Gewürzketchup zum Essen dazu.

Wenn alle Spenden da sind, müssen die ehrenamtlichen Küchenhelfer kreativ werden: Was kochen wir jetzt daraus?

(Foto: Luise Aedtner)

In den Tagen vor Heiligabend wird geschnippelt und gebraten und gekocht. Meine zwei Brüder und ich helfen mit. Meistens ist es unsere Aufgabe, hin- und herzulaufen und Sachen von dem einen in den anderen Raum zu bringen. Oder wir decken die Tische oder werfen das Altpapier in einen riesigen Container. Das macht Spaß.

Letztes Jahr haben wir stapelweise Adventskalender geschenkt bekommen, bestimmt tausend! Der ganze Flur stand voll. Meine Brüder und ich haben den ganzen Tag die Schokolade aus den Kalendern gepult, als Dekoration auf die Tische verteilt und in Tütchen gepackt. Das hört sich jetzt toller an, als es tatsächlich war. Nach dem zehnten Stück war mir schlecht.

Manche der Gäste haben keine Familie, anderen fehlt das Geld für ein Fest. Wieder andere wollen mal anders feiern.

(Foto: Luise Aedtner)

Die allerbeste Aufgabe ist das Sortieren der Geschenke. Wir sortieren nach Geschenken für Mädchen, für Jungs und für Erwachsene. Auch diese Sachen sind gespendet. Letztes Jahr habe ich einen Fitnesstracker bekommen, den finde ich immer noch cool. Alle Gäste bekommen ein Päckchen und eine Tüte Süßigkeiten mit nach Hause. An Menschen, die keine Wohnung haben, verteilen wir außerdem Rucksäcke mit Sachen, die man auf der Straße gut gebrauchen kann, eine Decke zum Beispiel und ein Feuerzeug.

Vergangenes Jahr bekamen sie stapelweise Adventskalender geschenkt. Sohn Malik, 8, pult die Schokolade raus.

(Foto: Luise Aedtner)

Ich bin schon sehr gespannt, was dieses Jahr alles gespendet wird, und hoffe, dass irgendwo Schnitzel und gescheites Ketchup übrig geblieben sind. Die Bescherung zu Hause holen wir nach. Irgendwann, wenn meine Eltern mit dem Aufräumen fertig sind."