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Aktuell:Neuanfang

Als Zehnjährige hat Leila fast ein halbes Jahr im Luftschutzkeller verbracht. So stellt sich der Illustrator Simon Steinhorst ihre Flucht vor.

Manche Filme machen glücklich und traurig zugleich. "Warum ich hier bin" erzählt die Geschichten von Menschen, die ihre Heimat als Kinder verlassen mussten.

Weglaufen wollte wahrscheinlich jeder schon mal. Manchmal reicht es ja, dass man eine blöde Note bekommt und dann auch noch die Eltern schimpfen. Oder die Freundin sich idiotisch aufführt, nichts mehr mit einem zu tun haben will. Und manchmal kommt alles zusammen. Auf jeden Fall gibt es Tage, da fühlt sich das ganze Leben an wie ein riesiger Kackehaufen. Zum Davonlaufen. Bloß weg. Für immer. Meistens macht man sich aber überhaupt keine Vorstellungen davon, was das bedeuten würde. Der Film "Warum ich hier bin" erzählt die Geschichte von fünf Menschen, die ihre Heimat tatsächlich verlassen haben. Gemeinsam mit ihrer Familie, alle, als sie selbst etwa zehn Jahre alt waren. Weil dort Krieg ist zum Beispiel (Ahmad aus Syrien), ein kaputtes Atomkraftwerk die Umwelt verstrahlt hat (Lena aus Japan) oder weil er dort einfach nicht das machen konnte, was er wollte (Cacau aus Brasilien). Sie alle erzählen, was sie hinter sich gelassen haben, vor allem aber von ihren ersten Erfahrungen in Deutschland. Wie fühlt es sich an, als Fremder hierherzukommen? Der Film zeigt das in Interviews, aber auch in gezeichneten, animierten Szenen. Man sieht Cacau, der später mit dem VfB Stuttgart Deutscher Meister werden sollte, barfuß in Brasilien kicken. Oder die Bomben, die aus Leilas Kinderhimmel in Bosnien fallen. Und man merkt: Jeder Mensch hat eine eigene Geschichte. Sehenswert! In ausgewählten Kinos; Termine unter warumichhierbin.de oder dort als kostenpflichtiger Stream ab 20. Februar.

© SZ vom 25.01.2020
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