Süddeutsche Zeitung

Aktuell:Kippenpfand

Jeden Tag werden in Deutschland 204 Millionen Zigaretten geraucht. Viele Stummel landen in der Natur. Was kann man dagegen tun?

Von Georg Cadeggianini

Vor dem U-Bahn-Eingang, an der Bushaltestelle, neben der Parkbank: Keinen anderen Müll werfen Menschen so selbstverständlich auf den Boden und in die Natur wie aufgerauchte Zigaretten. Eigentlich kann die Polizei für weggeschnippte Kippen eine Strafe verhängen, bis zu 100 Euro. Bloß: Das passiert fast nie. Und um zu verrotten, brauchen Zigarettenfilter zehn bis 15 Jahre. Biofilter, die es seit ein paar Jahren neu auf dem Markt gibt und sich innerhalb eines Monats zersetzen, haben sich nicht durchgesetzt. Und selbst damit bleiben Probleme. Die Filter sollen ja gerade Giftstoffe aus dem Tabak aufnehmen. Am Ende stecken in Zigarettenstummeln so viele, dass manche Forscher von "Sondermüll" sprechen. Die Giftstoffe werden in Böden und Flüssen ausgewaschen. Manche Tiere verwechseln die Stummel mit Nahrung. Eine Initiative aus Berlin will all das ändern. Sie nennt sich "Die Aufheber" und schlägt ein Pfandsystem auf Zigaretten vor - wie bei Getränkedosen. 20 Cent pro Zigarette. Praktisch könnte das so funktionieren: Zu jeder Packung Zigaretten würde ein geruchsdichter Taschenaschenbecher ausgegeben, den man - sobald er mit 20 Kippen gefüllt ist - in einem Automaten abgibt und sein Pfand zurückbekommt.

Bestens informiert mit SZ Plus – 4 Wochen kostenlos zur Probe lesen. Jetzt bestellen unter: www.sz.de/szplus-testen

URL:
www.sz.de/1.4557144
Copyright:
Süddeutsche Zeitung Digitale Medien GmbH / Süddeutsche Zeitung GmbH
Quelle:
SZ vom 10.08.2019
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über Süddeutsche Zeitung Content. Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an syndication@sueddeutsche.de.