Afrika Kontinent ohne Ärzte

Dann kommt zum Geldverlust auch der Verlust an Leben. ,,In Malawi wird die hohe Müttersterblichkeit - 1120 Todesfälle auf 100000 Lebendgeburten - zu einem erheblichen Teil auf das Fehlen ausgebildeter Hebammen zurückgeführt, die bei Geburten eine angemessene Qualität der Versorgung bereitstellen könnten'', heißt es in dem Bericht.

Für afrikanische Ärzte und Krankenschwestern ist es viel lukrativer, in Europa oder Nordamerika zu arbeiten. Gleichzeitig finden sie dort sehr viel günstigere Arbeitsbedingungen vor. In vielen westlichen Ländern wird der Mangel an einheimischen Gesundheitsfachkräften durch die Migranten ausgeglichen.

Dieter Hampel vom Ärzteprogramm der Universität Heidelberg für Medizinstudierende aus Afrika, Asien und Lateinamerika, sagt dazu: ,,Angesichts der katastrophalen Lage des Gesundheitswesens in vielen Ländern des Südens ist die Rekrutierung von Ärzten aus Entwicklungsländern ein Skandal.''

Welche Ausmaße die Abwanderung angenommen hat, zeigt sich besonders deutlich in Ghana. 1990 praktizierten dort 2000 Ärzte, 2004 waren es nur noch etwa 800. Dafür hat die Zahl der ghanaischen Ärzte in Großbritannien die 2000er-Marke überschritten. In Sambia arbeiten nur noch 50 der 600 Ärzte, die seit der Unabhängigkeit unter hohem Finanzaufwand im Lande ausgebildet worden sind.

Insgesamt praktiziert mittlerweile fast ein Viertel aller afrikanischen Ärzte in Industriestaaten. Rekrutierungsfirmen machen ihnen diesen Wechsel leicht. Sie regeln - gegen gute Bezahlung - alles von der Visabeschaffung über die Anerkennung der Ausbildungsabschlüsse bis zur Auswahl eines Arbeitsplatzes.

Auch aus dem relativ wohlhabenden Südafrika wandern ein Drittel bis zur Hälfte der Absolventen medizinischer Ausbildungsstätten in Industrieländer aus. Das verursacht vor allem in den ländlichen Gebieten einen Mangel an Ärzten und Krankenschwestern. Diese Aufgaben übernehmen zunehmend Fachkräfte aus anderen afrikanischen Ländern. Inzwischen stammt jeder sechste in Südafrika tätige Arzt aus Simbabwe, Sambia, Kenia oder einem anderen Staat des Kontinents.

Anwerbestopp in England

Christoph Benn, einer der Direktoren des Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria, sieht neben der Abwanderung einen weiteren Grund für den Mangel an medizinischen Fachkräften: ,,Ärzte und Krankenschwestern erkranken und sterben ebenso wie der Rest der Bevölkerung in vielen afrikanischen Ländern an Aids. Insofern muss zweigleisig vorgegangen werden: Investitionen in die Aus- und Weiterbildung und Aids-Behandlung auch und gerade für die heilenden Berufe.''

Um die Abwanderung zu bremsen, hat sich die britische Regierung im August 2006 bereit erklärt, auf das Anwerben von medizinischen Fachkräften in Afrika zu verzichten. Die belgische Regierung bietet allen Ärzten und Krankenschwestern aus der Demokratischen Republik Kongo an, ihre Stellen in Belgien bei voller Bezahlung für mehrere Jahre zu verlassen, um in ihrer Heimat zu arbeiten.

Gleichzeitig setzen sich die Weltgesundheitsorganisation WHO und andere Gremien dafür ein, die Gehalts- und Arbeitsbedingungen der medizinischen Fachkräfte in Afrika deutlich zu verbessern sowie gute Fortbildungs- und Aufstiegsmöglichkeiten zu schaffen. So hat Malawi mit britischer Entwicklungshilfe die Gehälter für Ärzte und Krankenschwestern um 52 Prozent erhöht und neue Stellen eingerichtet, um die Arbeitsbelastung zu vermindern.

Das hat nach Einschätzung der Krankenschwestern-Vereinigung Malawis zwar nicht zur Rückkehr von Fachkräften aus dem Ausland geführt, aber doch das Ausmaß der Abwanderung vermindert. Schon das ist ein beachtlicher Erfolg.