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Ältester Tierfriedhof in Paris:Die Liebe zum Tier wird nie enttäuscht

Faburel hat sich so seine Gedanken gemacht über die Gesellschaft und das Sterben. Die Menschen verdrängten den Tod eines Verwandten heute mehr als früher, als es etwa noch die Totenwache gab. Viele Angehörige wünschten eine rasche Beerdigung, um danach in ihren Alltag zurückzukehren. Die menschliche Leiche mache Angst. "Bei den Tieren ist das anders. Die Leute möchten ihren Hund oder ihre Katze unbedingt noch mal sehen und streicheln."

Wie groß die Trauer über den Verlust des geliebten Tieres ist, lässt sich an den liebevoll gestalteten Gräbern erkennen.

(Foto: Stefan Ulrich)

Manche weigerten sich, den Tod ihres Tieres zur Kenntnis zu nehmen. So habe die Dame, die die Skulptur des Labradors in Auftrag gegeben habe, ständig Nachbesserungen verlangt, drei Monate lang, bis der Bildhauer nicht mehr konnte. "Sie dachte wohl: Solange die Skulptur nicht fertig ist, ist mein Hund nicht wirklich tot."

Die innige Liebe zum Tier sei ein neueres Phänomen, meint Direktor Faburel. Früher seien Tiere vor allem als nützliche Objekte angesehen worden. "Die Katze sollte Mäuse fangen, der Hund beim Jagen helfen." Mit der Verstädterung seien die Tiere zu Gefährten geworden. Viele Menschen seien heute - obwohl keineswegs allein - zutiefst einsam. Umso stärker liebten sie ihre Tiere: "Anders als ein Mensch bleibt ein Tier immer ein Kind. Es enttäuscht einen nicht, verlässt einen nicht. Es gibt keine Brüche in dieser Beziehung."

Gedenkminute für einen Spatz

Faburel hat rührende Geschichten von Tieren und ihren Besitzern erlebt. Etwa die vom toten Spatz. Eine erfolgreiche Unternehmerin habe den Vogel einst in Paris aufgelesen und in einem Käfig in ihrem Büro gehalten. Er sei zum Maskottchen der Firma geworden. Eines Tages sei ein Raubvogel ans offene Fenster gekommen und habe den Sperling durch die Stäbe hindurch zerhackt. Bei der Bestattung in Asnières habe jede Mitarbeiterin der Firma ein Gedicht auf den Vogel verlesen. Sogar Laurence Parisot, die Präsidentin des französischen Unternehmerverbandes Medef, sei mit ihren Leibwächtern gekommen, um dem Spatz die letzte Ehre zu erweisen.

Der Bestattungsunternehmer schmunzelt, als er das erzählt. Doch manchmal muss er sich auch ärgern. "Ich ertrage es nicht, wenn manche Leute Tiere mit Menschen gleichsetzen." Es gebe auch Extremisten unter den Tierfreunden, und an dieser Entwicklung seien Aktivisten wie Brigitte Bardot nicht unschuldig.

Monsieur Faburel empfiehlt dann noch, das Grab von Rin Tin Tin zu besuchen. Es ist schlicht, und daher nicht sofort zu finden. "Der große Star des Kinos", steht auf dem Stein. Rin Tin Tin war ein Schäferhundwelpe, den ein amerikanischer GI auf einem Schlachtfeld des Ersten Weltkriegs in Frankreich gefunden hatte. In Hollywood stieg das Tier zum Hauptdarsteller zahlreicher Kinofilme und einer eigenen Radioshow auf. Nach seinem Tod wurde der "Wunderhund" nach Frankreich zurückgebracht und in Asnières beerdigt. Etliche Nachfolger desselben Namens mehrten seinen Ruhm. 2007 erschien gar ein Film über Rin Tin Tins Karriere. Und wenn er auch gestorben ist, so kennt man ihn noch heute.