SZ-Podcast „Das Thema“Haben wirklich so viele ADHS?

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"Das Thema" - der Recherche-Podcast der Süddeutschen Zeitung.
"Das Thema" - der Recherche-Podcast der Süddeutschen Zeitung. SZ

Um ADHS herrscht ein Hype. Ist es wirklich eine Krankheit - oder erweitert die Störung schlicht die Bandbreite des Normalen?

Von Barbara Vorsamer und Lars Langenau

ADHS, die Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung hat gerade Hochkonjunktur. Doch ist das eine Modediagnose für die Krankheit unserer unruhigen Zeit? Oder gibt es wirklich bis zu vier Millionen Menschen in Deutschland, die darunter leiden?

Die Störung wurde erst 1987 in den ärztlichen Diagnosekatalog aufgenommen. Zunächst ging man davon aus, dass es nur Kinder betreffen kann, vor allem Jungen. Doch bei Mädchen ist ADHS oft einfach viel weniger auffällig. Sie haben öfter den verträumten ADHS Typ, sind leicht abgelenkt, passen nicht auf, nerven aber auch kaum. Erst spät kam die Idee auf, dass es auch Erwachsene haben können.

Bei ADHS geht es zum einen um eine echte, psychiatrische Diagnose – und zum anderen als gesellschaftliches Debattenphänomen, sagt Barbara Vorsamer aus dem Gesellschaftsressort der Süddeutschen Zeitung. ADHS sei eine ernsthafte psychiatrische Erkrankung, die viele Menschen stark beeinträchtigt und professionelle Hilfe erfordert. Gleichzeitig sei ADHS jüngst zu einem sehr präsenten Thema geworden, bei dem sich viele, auch ohne Diagnose, wiederfinden.

Zudem würden sich viele in bestimmten Berufsfeldern sammeln. „Eines davon sind die Medien. Und das kann natürlich dazu führen, dass wir dann in einer öffentlichen Debatte ein bestimmtes Übergewicht haben.“ In Medienberufen aber gelten sie als kreativ, abenteuerlustig, eigensinnig, zupackend und originell.

Zwar lasse sich ADHS mit Medikamenten wie Ritalin leicht behandeln. Und manche würden gern auf die Störung verzichten, andere aber können damit produktiv umgehen. Grundsätzlich sei die Bandbreite des Normalen „viel größer, als wir gemeinhin denken“. Die SZ-Redakteurin plädiert dafür, dies anzuerkennen und mit Verständnis und Wohlwollen der Störung heranzugehen, anstatt nur Defizite in den Vordergrund zu stellen.

Zum Weiterlesen:

Barbara Vorsamers Porträt der ADHS-Spezialistin Astrid Neuy-Lobkowicz lesen Sie hier.

Ihr Interview mit einer Identitätsforscherin hier.

ADHS und Hochbegabung, Dyskalkulie und Depression: Welche Diagnosen sind seriös? Darüber lesen Sie hier einen Beitrag.

Protokolle von Eltern mit betroffenen Kindern finden Sie hier.

Und hier lesen Sie Vorsamers Interview mit Gemma Styles, der Schwester von Popstar Harry.

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Psychologie
:Haben wirklich so viele Leute ADHS?

Das fragt man am besten die Ärztin Astrid Neuy-Lobkowicz, die sich seit den Neunzigern mit der Störung beschäftigt. Sie sagt: Bei Erwachsenen wird sie noch immer zu selten erkannt.

SZ PlusVon Barbara Vorsamer

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