20 Jahre neues Namensrecht:Jeder in seinem Namen

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  • Der individuelle Weg: kein gemeinsamer Familienname

Im März 1991 erklärte das Bundesverfassungsgericht die Regelung von 1958, nach der automatisch der Geburtsname des Mannes gemeinsamer Familienname wurde, falls sich die Ehepartner nicht einigen konnten, für verfassungswidrig. Seit dem 1. April 1994 können Verlobte frei entscheiden, ob sie nach der Hochzeit einen gemeinsamen Familiennamen führen möchten. Andernfalls behält jeder seinen ursprünglichen Nachnamen. Allerdings räumt das deutsche Namensrecht die Möglichkeit ein, auch noch nach der Hochzeit einen gemeinsamen Familiennamen zu bestimmen. Spätestens einen Monat nach der Geburt des ersten Kindes müssen die verheirateten Eltern zumindest festlegen, ob das Kind den Nachnamen des Vaters oder den der Mutter tragen soll. Diese Entscheidung ist dann auch für alle weiteren Kinder bindend.

Ehepaare, die auf einen gemeinsamen Familiennamen verzichten, sind längst keine Ausnahme mehr. In München haben sich beispielsweise im vergangenen Jahr etwa 23 Prozent der Paare für eine getrennte Namensführung entschieden, in Köln waren es 19 Prozent, in Nürnberg 18 Prozent.

Eine schwierige Entscheidung

Bei gleichgeschlechtlichen Paaren sind verschiedene Namen der Regelfall. 2013 wurden beispielsweise in Köln 300 Lebenspartnerschaften geschlossen, nur 35 Prozent entschieden sich für einen gemeinsamen Nachnamen.

Aber auch vielen Menschen, die in gemischtgeschlechtlichen Partnerschaften leben, fällt die Entscheidung nicht leicht, weiß Standesamtsleiter Gerhard Benedikt aus München. Etwa ein Drittel der Leute wüssten bei der Anmeldung der standesamtlichen Trauung noch nicht, welche Namensoption sie wählen wollen, und würden ihre Entscheidung dem Standesamt erst später mitteilen, sagt Benedikt. Den eigenen Namen zu ändern, fiele vielen Menschen auch deswegen schwer, weil er für sie ein wichtiger Teil der eigenen Persönlichkeit sei. Zudem hätten sich vor allem Selbstständige mit ihrem Namen oft eine eigene Marke aufgebaut und überlegten daher sehr genau, ob sie ihn ändern wollen - schließlich könnte der geringere Wiedererkennungswert einen wirtschaftlichen Nachteil bedeuten.

In seiner 30-jährigen Berufslaufbahn hat der Standesamtsleiter schon einige Gesetzesänderungen umgesetzt. Und, da ist sich Benedikt sicher, in den kommenden zwölf weiteren Berufsjahren, die vor ihm liegen, wird er noch die eine oder andere miterleben. Denn: "Das Namensrecht ist immer auch ein Spiegel der gesellschaftlichen Wirklichkeit", sagt Benedikt.

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