30. Geburtstag Die geborene Königin

Als Thronfolgerin Schwedens arbeitet Kronprinzessin Victoria hart, um ihrer künftigen Aufgabe gerecht zu werden. Die Hochzeit mit einem Fitnesstrainer muss da erstmal warten.

Von Gunnar Herrmann

Es war einmal vor 30 Jahren, da wurde in Stockholm ein Königskind geboren, ein Mädchen. Die Kanonen vor dem Schloss feuerten Salutschüsse ab. Die Bürger freuten sich mit ihrem König Carl XVI. Gustav über die Erstgeborene - und begannen sofort mit einer Diskussion über die Thronfolge. Denn es war nicht von Anfang an klar, dass die kleine Victoria Kronprinzessin werden sollte.

Kronprinzessin Victoria: ihre Repräsentationspflichten absolviert sie mit Fleiß, Skandale vermeidet sie.

(Foto: Foto: dpa)

Eine Thronfolgerin hatte es in Schweden noch nie gegeben, Männer hatten immer Vortritt. Selbst der König zögerte, mit der Tradition zu brechen. Er soll gesagt haben: "Der Job ist zu hart für eine Frau." Dieses Zitat verfolgt ihn heute noch. Die meisten seiner Landsleute waren anderer Meinung: Das Parlament änderte die Verfassung und gestattete die weibliche Erbfolge. Damit war Victorias Karriere vorherbestimmt. Sie wurde zur Staatschefin erzogen.

An diesem Samstag feiert die Kronprinzessin ihren 30. Geburtstag, und es gibt nur wenige Schweden, die die Verfassungsänderung bereuen. Victoria hat ihr Volk nicht enttäuscht. Mit Fleiß entwickelte sie sich zu einer würdigen Amtsträgerin, und sie schaffte es, Skandale und Affären weitgehend zu vermeiden.

Anlässlich des runden Geburtstags veröffentlichte die Boulevardzeitung Expressen in dieser Woche eine Umfrage, in der es darum ging, ob König Carl XVI. Gustav in vier Jahren - dann erreicht er das Rentenalter - zurücktreten und das Regieren seiner Tochter überlassen soll. Mehr als 60 Prozent der Befragten hielten das für eine gute Idee. Der König selbst gehört nicht zu dieser Mehrheit. Er hat auf die Frage nach seinem Abtritt einmal gesagt, König sei ein Amt auf Lebenszeit. Wann die Geschichte der schwedischen Kronprinzessin ihr Ende in einer Thronbesteigung findet, ist also offen.

Ohnehin reicht die Krone allein für ein glückliches Ende nicht aus. Dazu braucht es einen Prinzen. Mehr oder weniger seit die Kronprinzessin in die Pubertät kam, wird gerätselt, wer das werden könnte. In den Redaktionen von Boulevardzeitungen und Wochenmagazinen wurde sie schon mit so ziemlich allen gleichaltrigen Sprösslingen verkuppelt, die sich in Europas Fürstenhäusern finden lassen. Über zarte Bande mit Willem-Alexander der Niederlande wurde ebenso spekuliert wie über Avancen des griechischen Prinzen Nikolaos oder ein romantisches Interesse an Dänemarks Kronprinz Frederik. Alle Gerüchte waren falsch. Wie in jeder guten Geschichte gehört das Herz der Prinzessin einem Außenseiter, einem schönen Jungen aus armen Verhältnissen. Im Märchen wäre er Bauer oder Fischer - in Schweden ist er Fitnesstrainer.

Daniel Westling ist sein Name und die Prinzessin traf ihn im Jahr 2001, als sie sich im exklusiven Sportclub "Master Training" anmeldete. Dem Buch "Daniel und Victoria - eine Liebesgeschichte" des Journalisten Marcus Utterström zufolge soll der erste Satz, den der heute als künftiger Prinzgemahl geltende Mann zu Victoria sagte, folgender gewesen sein: "Hallo, ich heiße Daniel Westling. Ich bin der, der dein persönlicher Trainer sein soll." Victorias Freundeskreis soll in den kommenden Monaten bemerkt haben, dass die Prinzessin ungewöhnlich viel Sport trieb. Irgendwann traf sie sich mit dem Trainer auch privat. Etwa ein Jahr gelang es ihr, die Beziehung geheim zu halten, aber am 30. Mai 2002 enthüllte die Boulevardzeitung Expressen das Verhältnis. Dass die Romanze den folgenden Mediensturm überstanden hat, gilt als Zeichen dafür, dass es sich um etwas Ernstes handelt. Bei privaten Anlässen wird Daniel Westling regelmäßig an der Seite der Thronfolgerin gesehen. Offiziellen Anlässen muss er fern bleiben - so verlangt es das Hofprotokoll.