Zum Tode von Marcel Marceau Adieu - ein Star der Stille ging

Er war der berühmteste Pantomime der Welt: Im Alter von 84 Jahren starb der französische Künstler Marcel Marceau. Sein Einfluss auf Kunst und Künstler war enorm.

Die Figur, die ihn weltberühmt machen sollte, führte Marcel Marceau erstmals 1947 in Paris auf, im Alter von 24 Jahren. Es war der "Monsieur Bip", eine Clown-Rolle, mit der der Franzose mehr als 40 Jahre lang um den Globus tourte. Am Samstag ist der Schöpfer des "Bip" im Alter von 84 Jahren verstorben, wie zwei seiner Kinder am Sonntag der Nachrichtenagentur AFP in Paris mitteilten.

Marcel Marceau bei einem Auftritt in Havana vor zwei Jahren.

(Foto: Foto: AFP)

Marceau war ein Star des Theaters, er ging bis zuletzt auf Tournee. Einem breiten Publikum ist er als tragikomischer weiß geschminkter Clown im Ringelhemd bekannt. Aufgewachsen ist er in Straßburg als Sohn des jüdischen Metzgers Mangel. Schon während seiner Jugend drückte er sich lieber durch Mimik und Gestik aus. Seine Idole waren die Stummfilm-Stars Charlie Chaplin und Buster Keaton weckten - und so machte er die "Kunst der Stille" zu seinem Beruf.

Bei Kriegsausbruch 1940 musste seine Familie fliehen. Marcel Marceaus Vater wurde von der Gestapo verhaftet und in Auschwitz ermordet. 1942 schloss er sich der französischen Widerstandsbewegung an und änderte seinen Namen. Später kämpfte er als Angehöriger der französischen Armee gegen die deutschen Besatzer.

Im Krieg musste er wichtige Charakterzüge der Pantomime beherrschen. Als er 1944 in der Pariser Metro von der Gestapo aufgegriffen wurde, spielte er überzeugend die Rolle des harmlosen Zivilisten.

1946 begann seine Ausbildung im Pariser Sarah Bernhardt Theater, wo ihn Charles Dullin und Étienne Decroux anlernten, der auch Lehrer von Jean-Louis Barrault war. An der Seite von Barrault spielte er auf der Bühne den Harlekin. Der Erfolg ermutigte ihn, eigene Dramen aufzuführen.

Die von ihm gegründete Compagnie de Mime Marcel Marceau führte viele Theaterstücke als Mimodramen auf. Den großen Durchbruch schaffte Marceau in Deutschland. 1951 blieb er für zwei Monate in Berlin; zu seinen Aufführungen kamen auch Bertolt Brecht und der Kritiker Friedrich Luft, der schrieb: "Marceau macht eine neue Kunst, das muss man gesehen haben."

Die neue Kunst, die schätzten 1955 auch die Amerikaner. Aus einem zweiwöchigen Gastspiel wurde eine sechsmonatige Erfolgstournee. Marceau lernte er seine Idole Charles Laughton, Buster Keaton, Stan Laurel, Oliver Hardy und die Marx-Brothers persönlich kennen. Seinem größten Vorbild, Charlie Chaplin, begegnete er 1967 am Pariser Flughafen Orly. Seit den 1960er Jahren wurde Marceau auch durch Solo-Auftritte über das Fernsehen bekannt.

Der Pantomime kümmerte sich auch um den Nachwuchs. 1978 gründete er mit Hilfe des damaligen Pariser Bürgermeisters Jacques Chirac die kleine Schauspielschule École Internationale de Mimodrame de Paris, Marcel Marceau, in der auch Klassischer Tanz, Fechten und Schauspiel gelehrt wurde. Mit den besten Absolventen formierte er 1993 eine neue Truppe, die Nouvelle Compagnie de Mimodrame. Ferner gehört er seit 1950 dem internationalen Salzburg Seminar an, das er persönlich finanziell unterstützte.

Erfolg hatte Marceau auch als Maler und Zeichner. Seine Werke wurden in Deutschland, Frankreich, Japan und in den USA gezeigt. Zudem schrieb und illustrierte er mehrere Bücher, darunter "Die Geschichte des Bip" und "Pimporello".

Marceau beeinflusste bis heute zahlreiche Künstler aus allen Genren. Samuel Beckett inspirierte er beispielsweise zum pantomimischen Finale im Endspiel. Samy Molcho, Milan Sladek und Jango Edwards betonten seinen Einfluss auf ihre Karriere.

Noch 2005 ging der Star der Stille auf Tournee. In seiner Pariser Schule gab er nach wie vor Meisterkurse und nahm sämtliche Premieren ab. Dabei beharrte er auf dem wichtigsten Merkmal seiner Körperkunst: "Der Filmschauspieler muss vergessen machen, dass er spielt. Der Pantomime darf das nicht, er muss in beständiger Anspannung sein", sagte Marceau. Oder er verkündete: "Die Pantomime ist die Kunst der Haltung".

Seine Haltung wird der Welt fehlen.

Marceau wurde am 22. März 1923 in Straßburg geboren. Nach 1945 belebte er die Kunst der Pantomime wieder, die vom Stummfilm verdrängt worden war. Er trat mit seiner Pantomimengruppe weltweit auf.

Nach Angaben seiner Tochter Camille Marceau starb der Pantomime am Samstagabend im Kreise seiner Familie. Er solle auf dem Pariser Friedhof Père Lachaise beigesetzt werden. Einen Termin werde die Familie in Kürze bekannt geben. Die Tochter Aurélia Marceau wollte sich zunächst nicht über die Todesursache und den Ort äußern. Die Familie wolle sich Zeit lassen, bevor sie weitere Stellungnahmen abgebe.

Marcel Marceau

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