Zum Tode von Alexis Arquette Alexis Arquette, "Heldin für die Ewigkeit"

Alexis Arquette mit ihren Schwestern Rosanna (l.) und Patricia.

(Foto: AP)

Sie war nicht nur ein Vorbild für Transgender-Personen. Alexis Arquette hat auch ihre Geschwister Toleranz, Akzeptanz und Liebe gelehrt.

Nachruf von Carolin Gasteiger

In David Bowies Song heißt es, der "Starman" würde uns gern kennenlernen, aber im Himmel warten, weil wir noch nicht bereit für ihn seien. Alexis Arquette war bereit dafür. Vielleicht spielte ihre Familie aus diesem Grund diesen Song, als die 47-Jährige vergangenen Sonntag starb. Alexis Arquette war nicht nur Künstlerin, nicht nur Schauspielerin - sie war vor allem Vorbild.

Als Robert Arquette 1969 geboren wurde, kam er nicht nur als Bruder auf die Welt, sondern "als unser großer Lehrer", schreibt Richmond Arquette im Namen aller vier Geschwister auf Facebook. Später habe ihnen ihre Schwester Alexis Toleranz, Akzeptanz und Liebe gelehrt. "Wir haben gelernt, was echte Tapferkeit bedeutet, als wir ihr Leben als Transgender-Frau beobachteten. Und wir haben die eine Wahrheit entdeckt: dass Liebe alles ist."

Alexis Arquette liebte es, sich zu schminken, trat auch mal als ihre Schwester Patricia auf und stellte sich in der Schule, wenn sich Jungen und Mädchen getrennt aufreihen sollten, immer in die Mädchenschlange. Ob sie nun aber schwul sei oder nicht, ob Frau oder Mann, habe keine große Bedeutung für Alexis Arquette gehabt, wie ihr Bruder David auf CNN erzählte. "Was macht es für einen Unterschied, in welchem geschlechtlichen Container wir uns befinden? Bin ich, wer ich bin, weil ich eine Frau bin? Ist das wichtig? Ich wurde mit blauen Augen geboren - mit Penis, oder mit einer Vagina. Ist es das, worum es geht?", erinnert sich Patricia Arquette an die Worte ihrer Schwester. Arquette selbst war jedoch klar, dass sie es als Mitglied einer berühmten Familie leichter hatte als andere. Ihre Wandlung zur Frau begleitet die Dokumentation "Alexis Arquette: She's my brother".

Hinter ihrem Status als Transgender-Ikone droht ihre künstlerische Karriere zu verschwinden. Nicht, weil Alexis Arquette früh verstarb, sondern, weil sie sich für ein Leben in Wahrheit und als Transgender-Frau entschieden hatte, schreibt Richmond Arquette. Ihr künstlerisches Schaffen war wenig beachtet: Mit dem Drama "Letzte Ausfahrt Brooklyn" wurde sie 1989 bekannt, sie spielte in Tarantinos "Pulp Fiction", der Horrorkomödie "Chucky und seine Braut" und der Komödie "Hochzeit zum Verlieben" mit, in der sie den Sänger Boy George imitierte. Alexis Arquette war nicht nur Malerin, Sängerin, Schauspielerin, sondern auch Spielzeug-Designerin bei Mattel. "Sie lehnten unsere brillanten erzieherischen Ideen ab, um dumme Stücke aus Plastikmüll zu produzieren", erklärte sie hinterher frustriert. Als Kennedy-Attentäter Lee Harvey Oswald stand sie 1994 in John Malkovichs Bestseller-Adaption "Libra" auf der Bühne. Aber ihr Werk war für Arquette selbst nachrangig.

In einem Interview mit dem Index Magazine sagte Arquette 1999: "Du willst dafür gemocht werden, wer du bist, nicht dafür, was du getan hast oder wer du geworden bist." In dieser Hinsicht ist Alexis Arquette nicht nur ein Vorbild für Transgender-Menschen. Ihr Bruder David verabschiedete sich auf Twitter mit den Worten "Meine Heldin für die Ewigkeit" von seiner älteren Schwester.