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Zum Tod von Zaha Hadid:Das Warten hat sich gelohnt

Das Warten hatte sich gelohnt. Rolf Fehlbaum, der Chef des Designunternehmens Vitra, ließ Zaha Hadid, die eigentlich einen Stuhl für ihn entwerfen sollte, auf dem Firmengelände gleich die Feuerwehrwache errichten. Was seit 1993 dort steht, ist vielleicht sogar ihr bestes Werk. Jeder spitzzulaufende Winkel sitzt. Die papierdünnen Betonwände wirken wie berauscht von ihrer eigenen Bewegung. Noch heute, 20 Jahre später, hat sich diese Kraft bewahrt.

Nicht alle konnten damit etwas anfangen. Weil Zaha Hadids Angriff auf den rechten Winkel nicht mal vor den Waschräumen halt machte, sollen sich die Feuerwehrmänner geweigert haben, einsehbare Toiletten zu benützen. Heute finden Veranstaltungen in der ehemaligen Feuerwehrwache statt.

Wer den Superlativ wollte, wählte Zaha Hadid

Doch der Mut wuchs, Bauherren versprachen sich von Zaha Hadid den großen architektonischen Auftritt, gerne wie eine Diva, so wie die Architektin selbst, die schon mal ihren Büropartner Patrik Schuhmacher eineinhalb Stunden warten ließ. Wer den Superlativ wollte, wählte Zaha Hadid. Und alle bekamen ihn. Innsbruck mit der vermutlich schnellsten Skischanze der Welt, Wolfsburg mit seinem futuristischen Wissenschaftszentrum, Leipzig mit der windschnittigen BMW Welt und Rom mit dem MAXXI, einem Museum, dessen bestes Ausstellungsstück das Gebäude selbst ist. Mitte der Nullerjahre wurde Hadids Architektur organischer, fließender, ihre Oper in Guangzhou - ihr erster Bau in China - genauso wie ihre Uni in Wien.

Und vielleicht ist es das, was man Zaha Hadid vorwerfen kann. Dass ihre Formensprache so deutlich war, dass diese irgendwann die Funktion überdeckte - und den Ort, wo das Gebäude stand. Die Kritik daran wuchs in den vergangenen Jahren, parallel zur Anzahl der Projekte, die sie zeitgleich weltweit verfolgte. Auch in Ländern, die es mit Menschenrechten nicht so genau nahmen. Zaha Hadid wollte sich nicht einschränken lassen, sie wollte experimentieren. Bis zuletzt. Jetzt ist sie mit 65 Jahren in Miami an einem Herzinfarkt gestorben.