
Sie wollte nie die Mutter der Nation sein, denn Witta Pohl war mehr als nur Vera Drombusch. Nun ist sie im Alter von 73 Jahren verstorben. Eine große Fernsehkarriere führt bei vielen Schauspielern dazu, dass jene Erfolge, die sie sich am Theater erarbeitet hatten, aus dem Blickfeld geraten. Witta Pohl, 1937 als Tochter eines Gynäkologen in Königsberg geboren und nun im Alter von 73 Jahren verstorben, hatte schon eine kleine Karriere als Theaterschauspielerin hinter sich, als sie 1960 zum ersten Mal im Fernsehen zu sehen war, und erst recht ... Text und Bildauswahl: Katharina Riehl/sueddeutsche.de/kar/rus

... als sie 1983 jene Rolle annahm, die deutsche Fernsehgeschichte schrieb: Bis 1994 spielte Witta Pohl (mit mehreren großen Unterbrechungen) im ZDF die Vera Drombusch, die Mutter in der Familienserie Diese Drombuschs (im Bild mit Hans-Peter Korff, Eicke Hagen Schweikhardt, Günther Strack, Grete Wurm und Mick Werup). Der Weg in die deutschen Wohnzimmer begann für Witta Pohl ...

... an einer Berliner Schauspielschule, sie spielte in den 60er Jahren an den Münchner Kammerspielen, in Braunschweig, Darmstadt und Zürich, gewann 1970 den Insel-Preis und war sieben Jahre lang Mitglied im Ensemble des Hamburger Schauspielhauses. Witta Pohl (hier im Bild mit ihrem dritten Ehemann, dem Hamburger Zahnarzt Dr. Ekkehart Franz) hat sich stets gesträubt gegen das feste Rollenbild, das ...

... sie nach den Serienjahren im Fernsehen hauptsächlich erfüllen sollte: die Mutter der Nation. Schon in 100 Fernsehproduktionen, in Tatort-Episoden und Fernsehspielen hatte sie mitgewirkt, bevor sie die Rolle der Vera Drombusch übernahm. Dennoch fiel es ihr schwer, sich nach dem riesigen Erfolg der Serie (zum Teil sahen mehr als 50 Prozent der deutschen Haushalte zu) im Fernsehen noch einmal neu zu positionieren. Das Bild zeigt sie mit ihrem Serien-Kollegen, dem bereits 1999 verstorbenen Günther Strack.

So schrieb die ARD der vom Publikum geliebten Fernsehmutter eine Rolle auf den Leib: In der 39-teiligen Serie Happy Birthday spielte Pohl (hier im Bild mit Gerd Olschewski) die Geburtshelferin Marie, die Hilfsmutter der Nation sozusagen. Eine größere Bandbreite ...

... bei ihren Rollen behielt Witta Pohl in ihren späteren Jahren vor allem auf der Bühne, wo sie zum Beispiel für ihre Leistung in Marsha Normans Nacht, Mutter viel Lob bekam. Auch in Theater-Komödien war sie immer wieder zu sehen, zum Beispiel 2001 in Aspirin und Elefanten des Theaters am Kurfürstendamm (im Bild mit den Ensemble-Kollegen Isabel Varell (l.), Heidelinde Pfaffenbichler und Ernst Stankowski). Witta Pohls Privatleben ...

... verlief weniger geradlinig als ihre schauspielerische Karriere: Dreimal war Witta Pohl (hier ein Bild von der Beerdigung ihres Kollegen Günther Strack) verheiratet, dreimal wurde sie geschieden, aus ihrer Ehe mit dem Schauspieler Charles Brauer hat sie zwei Kinder. In den letzten Jahren ihres Lebens ...

... hatte sich Witta Pohl vor allem auf ihre Hobbys, ihre Hunde und ihre Liebe zur Barockmusik konzentriert. Erst kürzlich wurde bekannt, dass die Schauspielerin an Leukämie erkrankt war. Nun ist sie im Alter von 73 Jahren in Hamburg verstorben.