Zum Tod von Herbert Reinecker:Das suchende Glückskind

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Ein Mann fürs große Publikum: Herbert Reinecker verdanken wir unvergessliche "Derrick"-Dialoge und "Traumschiff"-Episoden. Jetzt ist er im Alter von 92 Jahren gestorben.

Hans-Jürgen Jakobs

Zu seinem 90. Geburtstag am Heiligabend 2004 erschienen noch einmal einige Artikel in den Zeitungen. Es wurde erinnert an Höhepunkte des bundesdeutschen Fernsehschaffens, am Krimiserien wie "Der Kommissar" oder "Derrick", die dem ZDF große Erfolge brachten. Der Schöpfer dieser Evergreens schrieb auch für "Das Traumschiff" sowie "Jakob und Adele" - Herbert Reinecker war ein Mann fürs große Publikum, für die feine Beobachtung und das Psychologisieren. Schauspieler wie Erik Ode oder Horst Tappert verdanken ihm ihren Ruhm.

"Herbert Reinecker verabschiedet sich von seinen Freunden", steht in der kleinen Todesanzeige, die jetzt erschien. Danach ist der Drehbuchautor und Schriftsteller am 27. Januar im 93. Lebensjahr verstorben. Die Trauerfeier hat stattgefunden; seine Familie wollte keinen Rummel um den Mann, der einst im Mittelpunkt der TV-Branche stand.

Der verstorbene Fernsehmann ist auch der späten Debatte um seine publizistischen Tätigkeiten im NS-Staat nicht aus dem Weg gegangen. Diese Zeit sei "das Problem meiner Generation" geworden, sagte er im Dezember 2004 im Interview mit der "Süddeutschen Zeitung", jeder habe seinen Weg, damit fertig zu werden. Und dann erzählte er, dass ihm ein Freund im April 1945 gebeten habe, einen Leitartikel für die Zeitung der Waffen-SS zu schreiben und er geantwortet habe, das würde doch ohnehin nicht gedruckt - was dann freilich geschah.

Fast 500 Drehbücher

Herbert Reinecker ist in Hagen groß geworden, wo er früh in den Journalismus fand. In Münster war er später Schriftleiter einer HJ-Zeitschrift, 1942 leitete er die HJ-Reichszeitschrift Junge Welt. Von 1936 an publizierte der fleißige Autor Jugendbücher, drei Jahre später dann auch Romane wie Der Mann mit der Geige oder Theaterdramen (Stunde des Triumphs). Nach dem Krieg brachte er sich mit einem Feuilleton-Pressedienst durch, ehe er Hörspiele und Film-Drehbücher schrieb. Für sein Werk zum Kinoerfolg Canaris gab's das Filmband in Gold. Es folgten andere Drehbücher zu Kriegsgeschichten wie Der Fuchs von Paris. Zum Fernsehen fand er in den sechziger Jahren durch die Zusammenarbeit mit dem Münchner Produzenten Helmut Ringelmann. Es wurde eine folgenreiche Fließbandarbeit.

Er selbst bezeichnete sich als "Glückskind". Der Schauspieler Tappert klagte anfangs über die ersten "Derrick"-Drehbücher, der Autor habe ihm "Sätze in den Mund gelegt, die auch der Kommissar hätte sprechen können". Reinecker selbst befand, es sei nicht gut, wenn Krimis nur der Unterhaltung dienen. Er wollte die Gesellschaft erklären.

Auch nach Auslaufen des Derrick im Jahr 1997 hat Reinecker das Schreiben nicht gelassen. Für Siska entwarf er das Drehbuch, auch für einen Pro-Sieben-Film. Und in seinem Haus am Starnberger See formulierte der Mann, der Pseudonyme wie "Alex Berg" benutzte, insgesamt sieben Bücher in das Diktiergerät, die Sekretärin schrieb das dann ab. Es habe für ihn nur noch ein Thema gezählt, erzählte der Schöpfer des Kommissars: "Was ist los mit dem schrecklichen Jahrhundert, das wir gerade hinter uns gelassen haben?" Derrick natürlich, der bleibe unvergessen, er habe ihm Freunde in fast allen Ländern der Erde verschafft.

So blieb Herbert Reinecker ein Suchender, der doch im Einklang mit sich lebte, auch dank seiner Familie. Seine vielen, vielen Fernsehpreise standen in seiner Villa im Regal, ein beeindruckender Schmuck. Bis ins hohe Alter war er vital und meinte, die Medienbranche sei ein "Jungbrunnen" für ihn - das komme von den vielen Kontakten mit jungen Leuten.

Der passionierte Golfspieler war zweimal verheiratet und hat zwei Kinder aus erster Ehe. Im Februar 2003 kündigte er an, seinen beruflichen Nachlass - fast 500 Drehbücher, Manuskripte, Briefe - dem Filmmuseum Berlin zu vermachen.

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