Zum Tod von Guillaume Depardieu Ein mieser Streich zum Schluss

Mehr Pein als Sein: Das Leben des Schauspielers Guillaume Depardieu endete so, wie es im ganzen Verlauf war - tragisch.

Von Fritz Göttler

Es war ein absurdes, ein wahrlich bizarres Ende, das Guillaume Depardieu mit 37 Jahren ereilt hat. Als hätte das Schicksal sich einen miesen, hinterhältigen practical joke nicht verkneifen können für ein Leben, das Pein und Grauen, und Verlassenheit und Verzweiflung schon im Übermaß zu verzeichnen hatte.

"Warum, du da oben?" Das Leben hat Guillaume Depardieu nicht nett mitgespielt, und auch sein Tod erscheint wie ein practical joke des Schicksals.

(Foto: Foto: Getty Images)

Eine Jugend der Exzesse und wilden Affären, Alkohol, Drogen, Gewalt, Kleinkriminalität, Gefängnis - die bittere Lektion eines unreifen Jungen unter hartgesottenen Mithäftlingen. Am schlimmsten aber die verzerrte Beziehung zum Star-Vater Gérard, dessen Abwehr und schroffe Verständnislosigkeit es zu verkraften galt.

Und dann die Anstrengungen, im Schatten dieses Vaters eine eigene Karriere aufzubauen, nicht nur als Schauspieler. Er war ein großartiger Poet, erinnert sich sein Freund und Kollege Vincent Perez, er hat unglaubliche Sachen geschrieben.

Ein Rimbaud der Neunziger, so wird er nun, nach seinem Tod, in Frankreich gefeiert. Auch dort gibt es eine virile Rebellen-Tradition, von Johnny Halliday bis hin zum Vater Gérard. Der Sohn hat diese Mischung aus Unbeherrschtheit und Sensibilität in "Pola X" von Leos Carax besonders nachdrücklich verkörpert, nach einem Roman von Melville, im intensiven Zusammenspiel mit Catherine Deneuve. Die Tristesse der modernen Jugend, der nicht mal mehr die Wahl zwischen dem Leiden und dem Nichts geblieben war. "L'enfance d'Icare" hieß der Film, den er eben noch beenden konnte.

Licht und Schatten

Am vorigen Freitag wurde in Bukarest der letzte Drehtag gefeiert, Guillaume Depardieu war glücklich und guter Laune. Am Samstag kam er mit einer akuten Lungenentzündung ins Krankenhaus, dort verschlechterte sich sein Zustand - er hatte sich mit einem Virus infiziert -, und er wurde nach Paris gebracht. Am Montagmorgen ist er dort gestorben.

Das ist wie eine böse kleine Reprise jener großen Tragödie, die ihn 2003 ereilte. Nach einem Motorradunfall hatte er sich im Krankenhaus angesteckt, litt an unerträglichen Schmerzen, wurde 17 Mal operiert, bestand endlich darauf, gegen den Rat der Freunde und der Ärzte, dass ihm das rechte Bein abgenommen werde . . .

"Er hatte ein Licht, das begleitet wurde von einem sehr starken Schatten", sagt Vincent Perez. Jacques Rivette hat auf dieser Dialektik seinen Film "Ne touchez pas la hache" gebaut, in dem Guillaume den Armand de Montriveau spielt. Er bringt den düsteren Untergrund in Balzacs "Comédie Humaine" hervor, Selbstzweifel und Masochismus. Ein dämonisches Feuer glüht um diesen Mann. Die Menschen reißen die Fesseln der gesellschaftlichen Konventionen weg, um zu erkennen, dass sie - stärker noch - fortan von den eigenen Obsessionen gefangen gehalten sind.