Zum Tod von Ellis Kaut Der Pumuckl bleibt da!

Urteil im Pumuckl-Streit ARCHIV - Das undatierte Archivbild zeigt die Zeichentrickfigur 'Pumuckl' in der Szene eines Fernsehfilms. Am Donnerstag (10.01.2008) soll vor dem Münchner Langericht das Urteil im Streit zwischen den beiden Pumuckl-'Müttern', der Erfinderin Ellis Kaut und der ursprünglichen Zeichnerin Barbara von Johnson, gesprochen werden, ob Pumuckl eine Freundin haben darf. Foto: ARD dpa/lby (zu dpa-KORR: 'Urteil im Streit um Pumuckl-Freundin - Autorin: 'Geschmacklosigkeit'' am 07.01.2008) +++(c) dpa - Bildfunk+++

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Was man in der Kindheit sieht, hört, schmeckt oder riecht, brennt sich oft für immer ins Gedächtnis ein. Ellis Kaut ist gestorben, aber ihr kleiner Kobold lebt in Millionen Kinder- und Erwachsenenköpfen weiter. Was die Redaktion vom Pumuckl gelernt hat.

Von SZ-Autoren

Christina Waechter: "Was sich reimt, ist gut"

Im Journalismus haben Wortspiele, Stilmittel und vor allem Reime einen schweren Stand. Redakteure und Textchefs streichen einem Autor gerne alles raus, was auch nur ansatzweise nach Wortspielerei klingt. Vielleicht ist das klug, vielleicht aber auch sehr, sehr langweilig.

Denn seit Pumuckl weiß ich ganz genau: Jede noch so doofe Botschaft lässt sich hübsch verpacken, wenn sie sich reimt. Das glauben Sie nicht? Dann passen Sie mal auf. Was klingt netter? "Sie sind entlassen - bitte räumen Sie binnen 15 Minuten Ihr Büro!" Oder: "Die Arbeit ist jetzt für dich aus, bitte geh' sogleich nach Haus."? "Begeben Sie sich bitte ins Untersuchungszimmer und machen Sie sich frei" oder "Gehen Sie zum Arzt hinein - Sie müssen dort gleich nackig sein."? "Nie unternimmst du etwas mit mir, immer willst du nur auf dem Sofa sitzen" oder "Du pupst abends gern ins Sofakissen - ich will dagegen Segel hissen."?

Na?

Paul Munzinger: "Tääääckel-Täääääckel-Tääääääck-Täääääck-Täääääck"

Ich habe gelernt, dass Schule verwirrend und ganz und gar sinnlos ist, aber zumindest lustig. Der Pumuckl ist morgens in die Schule gehüpft, weil er sicher war, dass "der Lehrer die Schüler voller macht". Tatsächlich hat der Lehrer den Schülern mit bierernster Miene eingebläut, dass man eine Taschenuhr daran erkennt, dass sie "Tickel-Tickel-Tick-Tick-Tick" macht. Ein Wecker dagegen mache "Täckel-Täckel-Täck-Täck-Täck".

Das muss man wohl einfach hinnehmen. Die Schüler mussten das Ganze dann nachsprechen, wobei sie jeden Vokal in die Länge zogen, bis ihnen die Luft ausging. Noch heute, 25 Jahre später, höre ich bei jedem langweilig-leiernden Vortrag irgendwann nur noch: Tääääckel-Täääääckel-Tääääääck-Täääääck-Täääääck.

Ellis Kaut Am liebsten treibt sie Schabernack
Nachruf
Zum Tod von Ellis Kaut

Am liebsten treibt sie Schabernack

Der Kobold, den sie erfand, klebte untrennbar an ihr. Dabei war sie eigentlich Bildhauerin und Schaupielerin. Nun ist die Pumuckl-Mama Ellis Kaut gestorben.   Von Alex Rühle

Tanja Mokosch: "Der Mond schaut wie ein Knödel aus"

Tatsächlich denke ich fast immer an ihn, wenn ich irgendwo alleine bin und Vollmond ist. Da gibt es das wunderbare Gedicht, das er sich ausdenkt, als er nicht mit dem Meister Eder zum Knödelessen gehen darf (und es später natürlich doch tut und alle Knödel vom Tisch kickt):

Ich bin jetzt allein zuhaus / der Mond schaut wie ein Knödel aus, / und wär' er nicht am Himmel droben, / ich stubbste ihn, er läg' am Boden. / Doch so folg' ich jetzt hier im Stillen / dem Eder um der Freundschaft willen. / Bestimmt seh' ich jetzt dann im Traum / einen riesen großen Knödelbaum.

Und ja: Ich kann das auswendig.

Elisa Britzelmeier: "Erst mal einen Schnaps"

Was ich gelernt habe: dass Gemütlichkeit und Aufmüpfigkeit sich nicht ausschließen müssen. Und dass man in den Achtzigern wohl wesentlich entspannter war, was das Thema Alkohol angeht. Der Meister Eder trinkt gern seine Halbe Bier, er braucht "erst mal einen Schnaps", wenn etwas Unerwartetes passiert, und der Pumuckl betrinkt sich in einer Folge gnadenlos mit Kirschlikör. Ob das was Gutes ist?

Der rothaarigste aller Kobolde: Pumuckl.

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Anja Perkuhn: "Weinen ist ja sehr schön, aber langweilig, wenn's keiner hört."

Den Pumuckl fand ich als Kind großartig unterhaltsam, dieses alberne, kindlich-weise, bauchgesteuerte und manchmal garstige Wesen. Wirklich mögen konnte ich ihn aber nie. Denn in einer der Folgen, in denen er endlich auch mal wieder in die Welt hinaus will ("Das Spanferkelssen") sagte er etwas, das für immer in meinem Gedächtnis hängen blieb - auch weil es mich an so viele Kinder vom Spielplatz erinnerte, deren Verhalten ich nie ganz nachvollziehen konnte: "Weinen ist ja sehr schön, aber langweilig, wenn's keiner hört."

Das ist nicht gerade die angenehmste Weisheit (und sie reimt sich ja auch nicht), aber so deutlich hatte ich bis dahin von noch niemanden erklärt bekommen, dass manche Kobolde/Menschen einfach bockige Idioten sind. Man trifft sie heute noch hin und wieder.

Tod von Ellis Kaut

Ein Kobold und seine Stadt